AbL fordert von Bund und Land neue Bodenpolitik

Ein weiter so darf es nicht geben

Berlin/Potsdam/Hamm, den 6.Juli 2016. Die Insolvenz des größten deutschen Agrarunternehmens KTG Agrar kommentiert der Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V, Georg Janßen:

 „Die Insolvenz der KTG Agrar muss agrarpolitische Konsequenzen haben. Statt wie die Bundesregierung in Berlin und die Landesregierung in Brandenburg seit Jahren eine Politik des „Wachsen oder Weichen“ in der Landwirtschaft fördert und eine Agrarpolitik nach dem Motto „Nehmt und Euch wir gegeben“ betreibt, ist längst ein Umsteuern angesagt. Schon im Rahmen der jetzigen EU-Agrarreform ist eine deutliche Unterstützung kleinerer und mittlerer Höfe möglich. Im Zuge der EU-Agrarreform konnten auch die Direktzahlungen gekappt werden statt Unternehmen wie der KTG Agrar mit Millionen an Flächenzahlungen das Kaufen von Land und ganzer Höfe in den vergangenen Jahren überhaupt zu ermöglichen. Die Bundesregierung, die Landesregierung in Potsdam und der Deutsche Bauernverband haben im Zuge der Agrarreformverhandlungen alles zugunsten der Großbetriebe getan, um deren Pfründe zu sichern.  Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Herr Rukwied, hofft jetzt auf eine Nachfolgegesellschaft, die das KTG- Unternehmen auffängt, wie er im RBB- Fernsehen bekundet. Die AbL meint: Ein weiter so darf es nicht geben. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft fordert dagegen alle Verantwortlichen in Bund und Land auf,

1.) umgehend offen zu legen, wie viele Flächen des Bundes über die BVVG und des Landes an die  KTG Agrar gegangen sind und wie viele Subventionen die KTG Agrar  erhalten hat.

2.) bei den jetzt zu erwarteten KTG - Landverkäufen endlich dafür Sorge zu tragen, dass den  bäuerlichen Betrieben und Neueinsteigern in die Landwirtschaft -gerade auch jungen Menschen -  das Land zu fairen Preisen angeboten wird, um wieder Wertschöpfung und breite Eigentumsstreuung in den ländlichen Regionen zu ermöglichen.

3.) sich für eine neue EU-Agrarreform einzusetzen, die wirkliche Perspektiven für bäuerliche Betriebe aufzeigt und mit einem nationalen Strukturgesetz die Weichen für eine Verbesserung der Agrarstruktur durch bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft zu setzen. Nicht wenige Großbetriebe sondern viele Bäuerinnen und Bauern mit umweltschonender Bodenbewirtschaftung und  tiergerechte Haltung braucht das Land. Eine solche Landwirtschaft findet auch die Unterstützung der Zivilgesellschaft.“

06.07.2016