Molkereien sollen EU-Hilfen verdoppeln

Steuergelder an Mengenreduzierung und Beitrag der Molkereien binden

Zur Lösung der für Tausende Milchviehbetriebe existenzbedrohlichen Krise am Milchmarkt sieht die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) auch die Molkereien in der Pflicht. „Wenn die europäischen Steuerzahler jetzt erneut Hilfen in den Milchmarkt geben sollen, müssen auch die Molkereien einen finanziellen Beitrag zur Lösung der existenzbedrohenden Milchkrise leisten. Wir fordern Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und die Agrarministerinnen und Minister der Bundesländer auf, dafür zu sorgen, dass auch die Molkereien einen befristeten Bonus für Mengenreduzierung einführen“, so der stellvertretende AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann.

Die Sanierung des Milchmarktes dürfe nicht den Steuerzahlern überlassen werden, während die Molkereien von den katastrophal niedrigen Milchpreisen noch profitierten, ergänzt der Milchbauer aus Ostfriesland.

Am Freitag, 15.07.2016, findet erstmalig in Brüssel eine deutsche Sonder-Agrarminister­konferenz von Bund und Ländern zur Lösung der Milchkrise statt. Am Montag, 18.07.2016, beraten die Agrarminister der 28 EU-Mitgliedstaaten mit der EU-Kommission zum Thema. Es wird erwartet, dass die EU-Kommission ein zweites EU-Hilfspaket von wiederum bis zu 500 Millionen Euro vorlegen wird; eine gleiche Summe wurde im September 2015 bereitgestellt.

„Es war falsch, das erste Hilfspaket nicht an eine verpflichtende Mengenreduzierung zu binden, obwohl der Milchmarkt schon damals von stark preisdrückenden Überschüssen und steigenden Mengen geprägt war. Dieser Fehler darf nicht wiederholt werden. Wer Geld nimmt, muss die Menge um einige Prozent runterfahren. Und die Molkereien müssen den EU-Hilfsbetrag verdoppeln, indem auch sie die Mengenreduzierung mit einem Bonus honorieren“, fordert Ilchmann. Schließlich hätten die Molkereien die von der EU erweiterten Möglichkeiten für freiwillige Mengenreduzierungen ungenutzt gelassen. „Wenn sie es freiwillig nicht tun, müssen sie dazu gedrängt werden“, so Ilchmann.

Die Agrarminister und die EU-Kommission sollten sich zudem nicht scheuen, auch verpflichtende unentgeltliche Mengenreduzierungen einzuleiten, um den Druck zu erhöhen.

Ohne wirksame Gegenmaßnahmen rechnet die AbL im Herbst wieder mit steigenden Milchmengen, für die es keine kaufkräftige Nachfrage gebe. Das müsse verhindert werden. Die einzelnen Milchviehbetriebe könnten die Milchmenge leicht um ein paar Prozent senken, vor allem indem sie den Kühen weniger Kraftfutter geben und Kälber mit Vollmilch statt mit Milchaustauscher füttern, so die AbL. „Es gibt vernünftige Maßnahmen, um nicht zu viel Milch auf den Markt zu bringen. Dazu braucht es eine überbetriebliche Koordinierung, damit die Mengenvernunft der einen nicht von anderen unterlaufen wird“, führt Ilchmann aus.

12.07.2016