Größte Molkerei DMK zahlt am schlechtesten

Bauern erhalten nur 20 Cent je Liter Milch. „Leuchtturmmolkerei“ Schlusslicht auch in Europa. AbL macht Molkerei-Spitze für Strukturbruch bei Milchbauern verantwortlich

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) wirft der größten deutschen Genossenschaftsmolkerei „Deutsches Milchkontor“ (DMK) vor, den Milchbauern mit aktuell 20 Cent je Liter Milch Grundpreis deutlich weniger auszuzahlen, als bei einem verantwortungsvollen Vorgehen möglich wäre. Auch für August ist wohl noch kein Preisanstieg vorgesehen.

„Mit 20 Cent je Liter Grundpreis ist das DMK nicht nur in Deutschland Schlusslicht. Auch unter Europas größten Molkereien zahlt das DMK den Bauern den schlechtesten Milchpreis“, führt Ottmar Ilchmann, stellvertretender AbL-Vorsitzender aus. Einer aktuellen Erhebung des niederländischen Bauernverbands LTO zufolge liegt der Milchpreis des DMK im letzten ausgewerteten Monat (Juni 2016) satte 5 Cent je Liter unter dem europäischen Durchschnitt. „Durch seine schiere Größe und die Heranziehung des DMK-Preises als Referenzwert bei anderen Molkereien drückt das DMK den Auszahlungspreis für ganz Deutschland und durch die Übernahme der niederländischen Molkerei DOC auch dort“, so Ilchmann.

Der Milchbauer aus Ostfriesland macht für den erheblichen Rückstand bewusste Fehlentscheidungen im Management des Molkereikonzerns DMK verantwortlich. „Wir haben die DMK-Führung seit Anfang des Jahres immer wieder aufgefordert, kurzfristige Maßnahmen zum Abbau der preisdrückenden Überschussmengen vorzunehmen. Dann hätte es diese schlechten Kontraktabschlüsse mit den Handelsketten für das Halbjahr Mai bis Oktober nicht gegeben und das DMK könnte den Milchbauern jetzt wenigstens den Durchschnitt der anderen Molkereien auszahlen“, sagt Ilchmann.

Laut AbL war das DMK ein wichtiger Lieferant für die Billigangebote der Discounter, die im Mai dieses Jahres das Preisniveau für Standardprodukte stark gesenkt hatten. Nun würden die damaligen schlechten Kontraktabschlüsse als Begründung dafür angeführt, dass der Auszahlungspreis der Molkerei nicht entsprechend anderer Verwertungen anzieht.

„Die Spitze dieser Genossenschaftsmolkerei hat sich im Frühjahr dafür entschieden, keine mengenbegrenzenden Maßnahmen zu ergreifen, wie es andere Molkereien in Europa getan haben. Die Herren in Vorstand, Aufsichtsrat und Geschäftsführung wussten, was sie taten. Sie sind für den aktuellen Strukturbruch in der Landwirtschaft wesentlich mitverantwortlich“, wirft Ilchmann der Molkereiführung vor. „Diese Genossenschaft arbeitet nicht für die Bauern, sondern gegen deren berechtigte Interessen“, fasst er zusammen.

10.08.2016
Von: Pressemeldung