Nicht gerade gläsern

Die Gläserne Molkerei, eine der größeren Biomolkereien in Deutschland, sorgt für Unmut bei den Lieferanten

Qualitätsproduktion ist gefragt, so könnte man die neuesten positiven Absatzzahlen für Biomilch deuten. Im ganzen ersten Halbjahr 2016 wurde 7 % mehr Biomilch, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, verkauft. Ausgerechnet in den Sommermonaten stieg der Verkauf, besonders von Milch und Joghurt, um bis zu 20 % gegenüber 2015, noch mehr sogar stieg aber der Umsatz. Laut bio-markt.info spricht das wiederum dafür, dass die Kunden eher zu höherpreisiger Biomilch gegriffen haben, schließlich hatten die Discounter im Frühjahr ja sogar ihre Ladenpreise gesenkt. Trotzdem der Biomilchpreis seit rund zehn Jahren immer stärker vom konventionellen Preis entkoppelt werden konnte, ließ sich die desaströse Lage am konventionellen Milchmarkt aus Sicht der Discounter in der ersten Jahreshälfte nicht mehr gänzlich ausblenden. Auch die Gläserne Molkerei in Mecklenburg-Vorpommern, eine der originären Bioverarbeiter mit Zugang zu höherpreisigen Absatzmärkten, begründete damit ihre gefallenen Auszahlungspreise, während die anderen Biomolkereien das Niveau weitestgehend konstant hielten.

Transparenz?

Die Gläserne Molkerei hatte noch nie den Ruf, in der Branche die höchsten Auszahlungspreise an ihre Bauern und Bäuerinnen auszuzahlen, geschweige denn im Handel beste Konditionen für Milchprodukte durchzusetzen. Aktuell allerdings gibt es anderen Unmut unter den Lieferanten. Die Molkerei möchte mit ihren Bauern und Bäuerinnen neue Milchlieferverträge abschließen. Eine Begründung dafür ist, statt der Vielzahl individueller Vereinbarungen, die bislang existieren, nun zu einheitlichen Bedingungen kommen zu wollen. In dem Begleitschreiben zum neuen Vertrag schreibt die Molkerei von einem „einheitlichen und transparenten Preismodell für alle Lieferanten“ sowie einer „Vereinfachung durch klare und verständliche Spielregeln für beide Seiten“. Das klingt gut, zumal die Gläserne Molkerei bislang durch mehr unterschiedliche Kriterien als andere Molkereien in der Preisgestaltung eine Vergleichbarkeit unter Milchbauern und -bäuerinnen eher erschwert hat. Guckt man dann in den neuen Vertrag, stellt man fest, dass es fast nur noch Aufschläge auf einen Grundpreis gibt – davon aber mehr als genug: dreimal gestaffelt für Zellzahlen, zweimal gestaffelt für Keimzahlen, viermal gestaffelt abhängig von der vereinbarten Jahresmenge, unterschiedliche Verbandszuschläge, einen Regionalzuschlag, einen Zuschlag für eine gleichmäßige Monats- und Jahreslieferung, Zuschläge für Heu- oder NOP- (höherer US-Organic-Standard)-Milch.

Nicht akzeptabel

„Gläserner“, sagt einer der Lieferanten, „wird die Gläserne Molkerei damit nicht.“ Der Unmut unter den Lieferanten, von denen viel weniger als bei anderen Biomolkereien in Liefergemeinschaften organisiert sind, ist groß. Die Bedenken, sich öffentlich zu beschweren, allerdings auch. Schließlich spielt doch die Situation, in der momentan durch die erhöhte Umstellung von konventionellen Betrieben eigentlich keine Biomolkerei Betriebe aufnimmt, der Gläsernen Molkerei in die Hände. Wer nicht unterschreibt – als Stichtag ist der 1.10. genannt –, kann eben nicht so einfach gehen. In den vorhandenen Liefergemeinschaften kann man sich mit den Kollegen darauf verständigen, dass solche Bedingungen nicht akzeptabel sind. Schließlich habe man ja gültige Verträge, so ein Bauer, aber man fühle sich nicht gut behandelt. Das sei keine besonders vertrauensvolle Basis, wenn es heiße, der Vertrag sei nicht nachverhandelbar. Auch ein Lieferant allein auf dem platten Land sagt, es sei nicht schön, wie mit den Bauern umgegangen werde, auch in der letzten Zeit schon nicht, ihm sei mehr oder weniger von jetzt auf gleich der auch jetzt schon vorhandene Heumilchzuschlag gekündigt worden, er sei verunsichert. Viele betonen, die Kommunikation und die Zusammenarbeit seien schwieriger geworden, seit der Schweizer Molkereikonzern Emmi die Gläserne Molkerei Anfang des Jahres übernommen habe, da gingen dann ja auch die Preise runter. Dabei war bislang in den Milchlieferverträgen eine Orientierung am Bioland-Durchschnittspreis festgeschrieben. In dem neuen Vertrag garantiert die Molkerei, „dass der Grundpreis zuzüglich aller erreichbaren Zuschläge im Mittel eines Kalenderjahres mindestens 95 % des von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) veröffentlichten Durchschnittspreises für ökologisch erzeugte Kuhmilch in Deutschland erreicht“. Damit rückt an die Stelle der Orientierung am Bioland-Durchschnitt eine an einem Wert noch unterhalb des Bio-Durchschnitts. Auch das wird von den Lieferanten nicht positiv kommentiert. „Das haben sie immer weniger hingekriegt mit dem Bioland-Durchschnittspreis, deshalb wollen sie davon weg“, sagt ein Bauer. Vor dem Hintergrund, dass nicht klar ist, wie sich die Mengenentwicklung mittel- und längerfristig durch vermehrte Umstellung in Deutschland und eine etwas unübersichtliche Produktions- und Exportsituation in Österreich gestaltet, mag das aus Sicht der Molkerei erstrebenswert sein. Bauern und Bäuerinnen wollen Transparenz und damit Vergleichbarkeit beziehungsweise Vertragsverhandlungen auf Augenhöhe, wie sie im Zusammenhang mit dem konventionellen Milchmarkt derzeit immer wieder eingefordert werden. Dies gilt es nun gemeinschaftlich zu organisieren.

29.09.2016
Von: cs