Großer Dank an die Verbraucher

Jetzt sind Handel, Molkereien und der Bund gefordert

Der Milchvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann, hat sich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern für ihre große Bereitschaft bedankt, für Milch wieder höhere Preise zu zahlen.

„Für Frischmilch und einige andere Milchprodukte haben die Handelsketten nun sprunghaft die Preise stark angehoben und damit eine ebenso starke Preissenkung vor einem halben Jahr rückgängig gemacht. Jetzt müssen Handel und Molkereien sicherstellen, dass das Geld der Verbraucher auch voll und ganz bei den Milchbauern und Bäuerinnen ankommt, die über zwei Jahren lang mit absoluten Niedrigstpreisen abgespeist worden sind“, forderte Ilchmann an die Zentralen der Handelsketten und Molkereien gerichtet. Weder die Handelsketten noch die Molkereien, sondern allein die Bauern hätten unter den ruinös niedrigen Preisen der letzten zwei Jahre gelitten. „Die Milchbauern haben gegenüber den Molkereien bisher kein Verhandlungsgewicht. Wir tragen das Preisrisiko der gesamten Kette ganz allein. Das hat viele von uns zur Aufgabe gezwungen, und diejenigen, die noch weitermelken, sind finanziell ausgeblutet. Deshalb müssen die höheren Ausgaben der Verbraucher voll und ganz den Milchviehbetrieben zugutekommen“, erklärte Ilchmann.

Zugleich ruft der stellvertretende AbL-Vorsitzende die Berufskolleginnen und Berufskollegen auf, jetzt alles zu tun, um ein erneutes Anwachsen der erzeugten Milchmenge zu vermeiden. „Auch wir Milcherzeuger haben eine Verantwortung. Die sollten wir gerade jetzt wahrnehmen, denn angesichts noch erheblicher Mengen an staatlich geförderten Lagerbeständen kann die beginnende Preiserholung schnell wieder abgewürgt werden durch zu viel Milch am Markt“, so Ilchmann.

Damit die einzelnen Milcherzeuger diese Verantwortung für eine vernünftige und faire Preisgestaltung wahrnehmen können, müsse der Gesetzgeber ihnen auch die passenden Instrumente an die Hand geben. Bundesminister Christian Schmidt könne sich nicht darauf ausruhen, dass er seine langjährige Ablehnung gegenüber mengenbegrenzenden Maßnahmen in den letzten Monaten geändert habe. „Herr Schmidt macht sich einen schlanken Fuß, wenn er die wirtschaftlichen Perspektiven der Milchviehhalter nun wieder voll und ganz in die Hände der Milchindustrie und ihrer Verbände legen will. Diese Krise hat deutlich genug gezeigt, dass die deutschen Molkereien nicht willens sind, die gegenläufigen Interessen der Milcherzeuger in Fragen von Menge und Preis anzuerkennen. Anders als Molkereien in Österreich und den Niederlanden haben sie Selbsthilfemaßnahmen wie einen kurzfristigen Bonus für Mengenbegrenzung in Überschusszeiten und Qualitätsstrategien verweigert. In Zukunft dürfen die Molkereien darüber nicht mehr alleine und über die Köpfe der betroffenen Milchbauern hinweg entscheiden können“, resümiert Ilchmann. „Die Lehre der Krise muss sein, den Milcherzeugern ein echtes Verhandlungsgewicht gegenüber den Molkereien und auch gegen die Genossenschaftsmolkereien zu verschaffen, um solche Krisen zu vermeiden. Da ist und bleibt Bundesminister Schmidt gefordert“, so der stellvertretende AbL-Vorsitzende.

04.11.2016