Verbände fordern: Bundesregierung muss „Gen-Drive“ Moratorium und wirksame Maßnahmen gegen unkontrollierte Ausbreitung von GVO erwirken

Zum Start der 13. Biodiversitätskonferenz vom 4. bis 17. Dezember in Mexiko:

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks spricht sich gegen die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen aus, die mit einem „Gene-Drive“ ausgestattet sind. „Ich teile Ihre Bedenken, dass ,Gene-Drive‘ erhebliche Auswirkungen auf die Ökosysteme haben kann und dass daher insbesondere Vorsicht bei der Forschung und Risikobewertung walten sollte. Eine Freisetzung von Organismen, bei denen ,Gene-Drive‘ verwendet wird, halte ich aus ökologischer Sicht zurzeit für nicht vertretbar,“ positioniert sich die Ministerin im Vorfeld zur 13. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt, die vom 4. bis 17. Dezember in Mexiko stattfinden wird.

„Wir begrüßen die Stellungnahme von Frau Dr. Hendricks und fordern die Bundesregierung auf, sich für ein „Gen-Drive“-Moratorium auf der anstehenden Vertragsstaatenkonferenz stark zu machen. Zudem muss sich die Bundesregierung für wirksame Maßnahmen gegen jegliche unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen einsetzen. Dieses Problem erfordert eine wesentlich größere Aufmerksamkeit und ein energisches Handeln,“ so Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V..

Zum Hintergrund:
„Gene-Drives“ verändern nicht nur das Erbgut selbst, sondern auch die Häufigkeit der Vererbung. Das Verfahren basiert auf der Anwendung der „DNA-Schere“ CRISPR-Cas. Die Nuklease wird dabei fest im Erbgut verankert. Dadurch vererbt sich der Mechanismus der gentechnischen Veränderung, so dass alle Nachkommen in Bezug auf die gentechnische Veränderung reinerbig sind. Auf diese Weise verbreitet sich die gentechnische Veränderung wesentlich schneller. Das Verfahren soll eingesetzt werden, um auch natürliche Populationen wie Insekten, Unkräuter oder auch wild lebende Säugetiere gentech¬nisch zu verändern. Geht dabei allerdings etwas schief, drohen schwerwiegende Schäden an den Ökosystemen. Eine wirksame Kontrolle derartiger Freisetzungen gibt es bislang nicht.

In den letzten Jahren wurden bereits mehrere Fälle einer unkontrollierten Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen in der Umwelt dokumentiert: Baumwolle in Mexiko, Raps in Nordamerika, Japan, Australien und der Schweiz sowie Gräser in den USA. Darüber hinaus wurden wiederholt gentechnische Veränderungen in regionalen oder ursprünglichen Sorten gefunden, so zum Beispiel in mexikanischem Mais und in Reis aus China. In der Stellungnahme der Umweltministerin auf ein gemeinsames Schreiben von der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL),Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutschland (BUND), Gen-ethisches Netzwerk (GeN), Interessengemeinschaft für Gen­tech­nik­freie Saatgutarbeit (IG Saatgut), Save our Seeds (SOS) und Testbiotech heißt es dazu, dass dieses Thema auf der Konferenz von ihrem Amtskolle­gen, Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung Christian Schmidt, vertreten werde. Die Bauern-, Umwelt und Zivil­gesellschaftlichen Organisationen fordern deswegen ein geschlossenes Auftreten der Bundesregie­rung mit dem Ziel, wirksame Gegenmaßnahmen auf den Weg zu bringen.

Die Antwort von Ministerin Dr. Barbara Hendricks_hier.
Der gemeinsame offene Brief an Ministerin Dr. Barbara Hendricks_hier.
Die internationale Tagung zum Schutz der biologischen Vielfalt: cop13.mx/en/cop-13/

04.12.2016
Von: gemeinsame Pressemeldung