UN-Erklärung zu Rechten von Kleinbauern:

Internationaler Kongress in Schwäbisch Hall vom 7. bis 10. März

Kleinbauern* ernähren den Großteil der Weltbevölkerung. Doch in vielen Ländern werden ihre Menschenrechte durch staatliche Organisationen oder agrarindustrielle Akteure verletzt. Vom 7. bis 10. März treffen sich in Schwäbisch Hall mehr als 100 Bauernvertreter und Erzeuger aus der ganzen Welt mit Politikern, Menschenrechtlern und Aktivisten, um den rechtlichen Schutz der Menschenrechte von Kleinbauern voran zu bringen. Für den Global Peasants' Rights Congress arbeiten Organisationen zusammen, die seit Jahren für stärkere Kleinbauernrechte  eintreten: Die Stiftung Haus der Bauern (HdB), die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), die Europäische Koordination Via Campesina, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und FIAN International. Unterstützt werden sie von 40 Partnern aus aller Welt.

Der aktuelle internationale Rechtsrahmen reicht nicht aus, um Kleinbauern vor den Bedrohungen ihrer Lebensgrundlage zu schützen. Die Stiftung Haus der Bauern setzt sich daher seit ihrer Gründung im Jahr 2012 dafür ein, dass die Rechte von Kleinbauern gestärkt werden. Dabei unterstützt sie die weltweite Kleinbauernbewegung La Via Campesina und die internationale Menschenrechtsorganisation FIAN, die sich bereits seit Anfang dieses Jahrtausends diesem Anliegen angenommen haben. Dank der gemeinsamen Anstrengungen dieser beiden Organisatoren hat der UN-Menschenrechtsrat (UNHCR) eine zwischenstaatliche Arbeitsgruppe eingerichtet, die einen Entwurf für eine "UN-Deklaration zu den Rechten von Kleinbauern und anderen Menschen, die im ländlichen Raum arbeiten" vorgelegt hat.

Beim Global Peasants' Rights Congress werden Kleinbauernvertreter aus der ganzen Welt von den Verletzungen ihrer Rechte berichten und zusammen ein Manifest zu Kleinbauernrechten verabschieden. Das Manifest richtet sich an die UN-Arbeitsgruppe und an die Ländervertretungen im UN-Menschenrechtsrat, die damit aufgerufen werden die Rechte von Kleinbauern national und international zu stärken.

Der Global Peasants' Rights Kongress wird vom 7. bis 10. März in Schwäbisch Hall stattfinden. Es sprechen u.a.: Klaus Töpfer, ehemaliger Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Nardi Suxo, bolivianische Botschafterin und Vorsitzende der Arbeitsgruppe für die Erarbeitung der Deklaration der Kleinbauernrechte des UN-Menschenrechtsrates, Pat Mooney, Träger des alternativen Nobelpreises von der ETC Group, Rudolf Bühler, Gründer der Stiftung Haus der Bauern sowie Henry Saragih und Elizabeth Mpofu, Mitglieder im Koordinationskommitee von La Via Campesina, der weltgrößten Kleinbauernbewegung. Mehr Informationen unter: www.global-peasants-rights.com.

Hintergrund

Kleinbauern und ihre Familien erfüllen eine fundamentale Aufgabe: Sie ernähren  den Großteil der Weltbevölkerung. Gemäß ihres Jahrhunderte alten Wissens über Bodenbearbeitung, Züchtung und Erntetechniken bewirtschaften sie ihr Land umweltgerecht und dem jeweiligen Standort entsprechend. So erhalten sie Artenvielfalt, Bodenfruchtbarkeit der Böden und sind die tragende Säule der regionalen Wertschöpfung.

Dennoch verlieren Kleinbauern zunehmend die Grundlage für ihre Arbeit: Der Zugang zu Land und Wasser wird ihnen durch ungleichen Wettbewerb mit lokalen Eliten und transnationalen Konzernen erschwert. Der Zugang zu Saatgut und Vieh ist auch dadurch bedroht, dass die genetische Basis ihrer Züchtungen von multinationalen Konzernen beansprucht und sogar patentiert wird. Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass regionale Märkte an Bedeutung verlieren und die lokale Nahrungsmittelerzeugung immer mehr durch die Produktion für den Export ersetzt wird. Kleinbauern, die sich gegen diese schleichende Enteignung wehren, werden oft schikaniert oder kriminalisiert.

*In diesem Kontext steht der Begriff auch für Pastoralisten, Imker, Hirten, Indigene, Fischer und Landarbeiter

01.03.2017