Umbau der Schweinehaltung braucht frisches Geld

AbL fordert in der Nutztierstrategie der Bundesregierung klare Ziele, einen neuen Finanzierungs-Fonds und ein Label zur Tierschutz-Kennzeichnung ab 2018

Unabhängig vom Wahlausgang sieht die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die nächste Bundesregierung vor der Aufgabe, eine abgestimmte Nutztierstrategie mit konkreten Maßnahmen vorzulegen. Die heutigen Tierschutz-Anforderungen der Gesellschaft in die Praxis umzusetzen, bedeute in der Schweinehaltung einen regelrechten Umbau.

„Damit die Betriebe in den notwendigen Umbau der Ställe und Haltungsverfahren investieren, brauchen wir Klarheit über die Standards, die wir in den kommenden 10 bis 15 Jahren erreichen wollen. Zudem muss der Bund eine neue Finanzierungsquelle zur Förderung einer tierschutzgerechten Schweinehaltung schaffen. Denn die Betriebe können die zusätzlichen Kosten, die von der Wissenschaft auf zwei Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland veranschlagt werden, nicht stemmen. Umschichtungen von EU-Geldern sind zwar notwendig, reichen dafür aber bei weitem nicht aus“, erklärt der AbL-Vorsitzende und Neuland-Schweinemäster Martin Schulz heute in Berlin. In der Nutztierstrategie der Bundesregierung fehlten sowohl die klaren Ziele als auch die erforderlichen Finanzierungsinstrumente, damit der Umbau gelingen könne, kritisiert Schulz.

Der konventionelle Sauenhalter Günter Völker sieht unter Berufskollegen die Bereitschaft zu Änderungen spürbar gewachsen. „Wir stellen uns darauf ein, dass wir den Tieren vor allem mehr Platz und Bewegungsmöglichkeit geben. Das geht nicht in einem Schritt von heute auf morgen, aber die Richtung ist klar. Die Gesellschaft muss allerdings auch bereit sein, die Betriebe nicht auf den Mehrkosten sitzen zu lassen“, so Völker. Ausgelöst durch ein Urteil des Magdeburger Oberverwaltungsgerichts suchen Sauenhalter nach Alternativen zur bisher üblichen Kastenstandhaltung. Völker hat mit einem Stalleinrichter eine Gruppen-Abferkelbucht entwickelt, in der die Ferkel direkt nach der Geburt und die Sauen schon nach sechs Tagen frei laufen können. „Bisher funktioniert das sehr gut. Zum Schutz von Ferkel und Mensch müssen wir die Sauen aber weiterhin ein paar Tage fixieren können“, fordert er.

Einen Teil der Mehrkosten für den Umbau der Schweinehaltung will die AbL am Markt durch eine Differenzierung des Angebots erwirtschaften. Dafür sei eine aussagekräftige Tierschutz-Kennzeichnung von Fleisch und Fleischwaren notwendig. „Die Verbraucher müssen sofort erkennen, was sie kaufen, damit sie über einen bewussten Einkauf den Umbau der Tierhaltung aktiv unterstützen können“, fordert der Neuland- und Biofleisch-Vermarkter Hugo Gödde. Da eine verpflichtende Kennzeichnung auf EU-Ebene noch nicht absehbar sei, müsse die Bundesregierung 2018 ein zweistufiges Tierwohl-Label einführen. „Die Marktdifferenzierung im Fleischbereich ist anspruchsvoll, aber machbar. Alle Stufen der Kette müssen sich umstellen und mitziehen, auch der Lebensmittelhandel. Wir müssen wegkommen von der Billig-Strategie und gezielt Qualitätsmärkte aufbauen“, mahnt Gödde.

Die Vorschläge der AbL zum Umbau der Schweinehaltung finden Sie hier.

 

 

06.09.2017
Von: Pressemeldung