La Via Campesinas Antwort auf die COP23: Mehr bäuerliche Agrarökologie!

Kleinbauern, bäuerlich wirtschaftende Betriebe und indigene Völker „ernähren die Welt und kühlen die Erde“

Kleinbauern, bäuerlich-wirtschaftende Betriebe und indigene Völker „ernähren die Welt und kühlen die Erde“. Deshalb ist die globale Bauern- und Kleinbauernbewegung La Via Campesina nach Bonn gekommen – um die Bedeutung von Kleinbäuerinnen und Bauern auf die Agenda der COP23-Klimaverhandlungen zu setzen, sowohl in den offiziellen Verhandlungen, als auch auf dem People´s Climate Summit, einem Forum sozialer Bewegungen zur Entwicklung von Alternativen zum Kapitalismus und der Klimakrise. 

Laut ETC Group erzeugen Kleinbauern und indigene Völker Nahrung für 70% der Weltbevölkerung, wobei sie dabei nur 30% der natürlichen Ressourcen nutzen, die auf der Welt insgesamt für die Erzeugung von Nahrungsmitteln verwendet werden.

„Unser Boden kam niemals in Berührung mit Chemikalien. Wir haben immer unser traditionelles Saatgut verwendet, dass auch schwierigen klimatischen Verhältnissen standhält“, erklärt Michaelin Sibanda, selbst Jungbäuerin aus Zimbabwe und Mitglied des Kleinbauernforums für Ökologische Landwirtschaft Zimbabwe (ZIMSOFF). „Wir wissen: Für gesunde Nahrung und intakte Ökosysteme brauchen wir gesunde Böden.“

Die Grundlagen der Agrarökologie unterstützen den Erhalt der natürlichen Ressourcen Wasser, Boden und Saatgut. Für La Via Campesina hat Agrarökologie aber auch eine politische Komponente: „Es ist erwiesen, dass Agrarökologie Resilienz bringt. Und diese Resilienz ist auch Widerstand: Indem wir uns kollektiv organisieren und gemeinsam konkrete Vorschläge für Veränderungen machen, die aus unserer Arbeit und unseren Kämpfen auf lokalen Ebenen entstehen und vorangebracht werden,“ erklärt Jesus Vazquez, ein junger Mitarbeiter und Aktivist der Organisation Boricuá of Agroecology aus Puerto Rico. Im September 2017 wurde Puerto Rico von zwei aufeinanderfolgenden Hurrikans schwer verwüstet, das Leben auf der Insel wurde lahmgelegt, einschließlich der Nahrungsmittelerzeugung. Vazquez fährt fort: „Im Kontext der Hurrikans haben wir erlebt, dass agrarökologische Landwirtschaft resistenter gegenüber Extremwetterereignissen ist, sie ist resilient. Viele Wurzel- und Knollenfrüchte haben die Unwetter überstanden. Kleinbauern und Bauern haben längst die Arbeit auf ihren Feldern wieder aufgenommen, entgegen den Aussagen der Agrarbehörden, nach denen die Landwirtschaft auf der Insel vollständig zerstört sei. Wir sind hier, um Regierungen daran zu erinnern, dass wir einen Systemwechsel brauchen.“

Die Vorschläge von La Via Campesina und seinen Verbündeten zur Bewältigung der Klimakrise setzen bei den Ursachen des Problems an – dem Einfluss von Großkonzernen auf politische Entscheidungen und den damit einhergehenden Prozessen des Wasser- und Landraubs, der Kriminalisierung von Bauern und der Verletzung von Menschenrechten durch transnationale Lieferketten zur Produktion von Nahrungsmitteln. „Bei den Klimaverhandlungen bringen die Regierungen falsche Lösungsansätze zur Bekämpfung des Klimawandels voran. Wir nennen sie falsch, da sie keine wirklichen Veränderungen bewirken, sondern eher die Profite von Großkonzernen sichern“, sagt Fanny Metra, Mitglied der französischen Organisation für bäuerliche Landwirtschaft, Confédération Paysanne. „Emmissionshandel (‚Carbon markets‘), technische Großlösungen (‚Geoengineering‘) und die sogenannte Climate Smart Agriculture werden von denselben Menschen vorangebracht, die emissionsintensive Tierhaltung und exportbasierte, industrielle Landwirtschaft unterstützen – beide benötigen enorme Mengen fossiler Brennstoffe. Das ist ein großer Widerspruch!“

Auf der COP23 werden diese Widersprüche deutlich. Die deutsche Bundesregierung, die die grüne Wirtschaft stark fördert, hat sich selbst zur Speerspitze des Kampfes gegen den Klimawandel erklärt, während sie gleichzeitig auf den Ausbau der Förderung von Braunkohle setzt – dem umweltschädlichsten fossilen Brennstoff der Welt. Die internationale Delegation von La Via Campesina beteiligte sich an den Protesten von Ende Gelände, bei denen mehr als 4000 Menschen zivilen Ungehorsam gegen die Förderung von Braunkohle durch das größte deutsche Tagebauunternehmen (KWE) leisteten. Sie setzten ein Zeichen für die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung des Klimawandels, den Förderstopp fossiler Brennstoffe.

Bernd Schmitz, Bauer in Hennef von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) betonte die Notwendigkeit für Veränderungen in Deutschland. Die AbL ist die deutsche Mitgliedsorganisation von La Via Campesina. In einem Interview sagte Schmitz: „Die Konsequenzen des Klimawandels spüren wir auf der gesamten Welt. In Deutschland haben wir in einigen Regionen extreme Dürren, in anderen starke Regenfälle. In diesem Jahr haben wir aufgrund starken Hagelschlags in einigen Regionen vollständige Ernteausfälle im Obstbau! Die Regierung reagiert auf die Probleme zu langsam. Die AbL sieht die Lösung der Probleme in der bäuerlichen Landwirtschaft, basierend auf lokale Wertschöpfungsketten und umweltfreundliche Nahrungsmittelerzeugung. Bäuerliche Landwirtschaft verbraucht weniger fossile Energieträger und verringert die Treibhausgasemissionen. Kleinbauern auf der gesamten Welt brauchen dringend Unterstützung, um die Menschheit weiterhin ernähren, und ihre Lebensgrundlagen in Zeiten des Klimawandels erhalten zu können.“

Andere frontline communities haben sich La Via Campesina angeschlossen, unter ihnen die It Take Roots-Delegation aus den USA - eine Vertretung Betroffener - sowie Fischer und Bauern der Global Convergence for Land and Water Struggles. Ein Vertreter der westafrikanischen Sektion der Convergence aus Mali, Massa Koné, verdeutlichte die Bedeutung der Zusammenarbeit, um gegen den Klimawandel und Unrecht aktiv zu werden: „Als Graswurzelbewegungen haben wir ähnliche Perspektiven auf Probleme und gemeinsame Ansätze zu deren Lösung. La Via Campesina ermöglicht uns gehört zu werden. Unser Ruf nach Systemwandel ist laut, da der Schaden stetig größer wird. Gemeingüter, einschließlich Land, Wald und Wasser, müssen von und für unsere Gemeinschaften geschützt und gestärkt werden. Wir müssen mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um uns gemeinsam auf den Klimawandel vorzubereiten.“

Fotos und Videos finden Sie auf der Medienseite: tv.viacampesina.org

10.11.2017
Von: gemeinsame Pressemeldung