Vorschlag für eine gerechte EU-Agrarpolitik nach 2020

Leistungen bäuerlicher Betriebe honorieren. Direktzahlungen mit Punktesystem qualifizieren. Mit Marktregeln Krisen vermeiden und Qualität stärken.

2. Auflage

Hier können Sie mit dem Direktzahlungsrechner nach dem AbL-Punktesystem errechnen, wie sich der AbL-Vorschlag für eine gerechte EU-Agrarpolitik nach 2020 auf ihren Betrieb auswirkt.

Europas Gemeinsame Agrarpolitik steht vor der großen Aufgabe, Gesellschaft und Landwirtschaft wieder in Übereinstimmung zu bringen, zum Wohle aller. Seit Jahrzehnten ist die Agrarpolitik in der Hauptsache darauf fixiert, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Ernährungswirtschaft zu puschen. Das Ziel der Weltmarktführerschaft drängte die gesellschaftlichen Anliegen nach einer umwelt-, klima-, tiergerechten sowie transparenten Qualitätserzeugung beiseite und Hunderttausende bäuerliche Betriebe ins wirtschaftliche Aus. Fördergelder der EU wie die pauschalen Flächenprämien, die von Mitgliedstaaten wie Deutschland unbegrenzt je Betrieb vergeben werden und die auf die Qualität der Erzeugung keine Rücksicht nehmen, begünstigen Großbetriebe sowie diejenigen mit den geringsten Leistungen für Umwelt-, Tierschutz und ländliche Vielfalt. Marktregeln und Handelsabkommen, die auf die Interessen der exportorientierten Milch- und Fleischindustrie zugeschnitten sind versperren den Bauern und Bäuerinnen ein aktives Reagieren auf Angebot und Nachfrage und den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Auswahl nach Herkunft und Qualität der Erzeugnisse. Europa kann das besser. Dafür tritt die AbL ein.

Kein anderer Wirtschaftsbereich in der EU ist so stark durch gemeinschaftliche Regeln geprägt wie die Land- und Ernährungswirtschaft. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU muss daher ihre Verantwortung wahrnehmen und die Bäuerinnen und Bauern gezielt in die Lage versetzen, die heutigen gesellschaftlichen Anforderungen in der Praxis umzusetzen. Das wird nicht mit weniger finanziellen Mitteln gehen, sondern erfordert einen anderen gezielt auf Qualität ausgerichteten Einsatz der Gelder. Wer dagegen der GAP jetzt unqualifiziert die finanziellen Mittel entzieht, schneidet dem Großteil der Betriebe den Weg ab, sich mit der Sicherstellung gesellschaftlicher Leistungen eine wirtschaftliche Perspektive zu schaffen. Europa braucht den Mut dieser Betriebe - und die Kraft zu einer anderen Agrarpolitik.

Die anstehende Reform der GAP bietet die Chance, die gesellschaftlichen Leistungen der bäuerlichen Betriebe in den Mittelpunkt zu rücken und ihnen eine wirtschaftliche Perspektive gerade dadurch zu eröffnen, dass sie in ihrem Wirtschaften Umwelt- und Tierschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt mit umsetzen. Von der Landwirtschaft erfordert das zum Teil erhebliche und teure Veränderungen, ganz besonders in der Tierhaltung. Dazu braucht es eine starke GAP, die die eingesetzten Steuergelder konsequent an die gesellschaftlichen Leistungen bindet. Und es braucht Marktregeln, die den Erzeugerinnen und Erzeugern helfen, schwere Marktkrisen wie im Milchmarkt 2015/2016 durch ein koordiniertes Vermeiden von Überschüssen zu verhindern.

Die AbL legt mit diesem Papier konkrete Vorschläge zur GAP Reform und deren Umsetzung in Deutschland vor. ...

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