Plattformpapier der Initiative „Konzernmacht beschränken“

Konzerne wie Bayer, Google und VW verfügen über viel Marktmacht. Großkonzerne haben größtenteils Niederlassungen in Steueroasen, um sich vor Steuerzahlungen zu drücken. Mega-Fusionen, vielfach finanziert durch Banken und Investmentgesellschaften, erhöhen enorm die Marktkonzentration. Je höher der Marktanteil eines Konzerns, desto höher auch seine Macht gegenüber Zulieferern, Herstellern, Erzeugern und Kunden. Diese Nachfragemacht ist genauso problematisch wie die Macht von Monopolisten oder Oligopolen. Wenn sich sehr wenige Konzerne die Märkte aufteilen, steigt das Risiko von Preisabsprachen, Kartellbildung und anderen Formen des Missbrauchs. Besonders bedenklich ist, wenn wenige Konzerne mehrere Produktions- und Handelsstufen kontrollieren.

Marktkonzentration

Die Auswirkungen der Marktkonzentration sind für alle relevant. Im IT-Bereich ermöglicht die
Marktkonzentration eine weitgehende Überwachung und Kontrolle über unsere Kommunikation
sowie die eigenmächtige Festlegung von Nutzungsregeln zu Gunsten der Interkonzerne. Google
beherrscht 90 Prozent des Suchmaschinenmarkts und Facebook 75 Prozent der mobilen
Kommunikationsdienste. Ihre Daten-Sammelwut sorgt für Ärger bei Usern. Amazon kontrolliert
nicht nur 65 Prozent des Online-Buchhandels, sondern führt auch ein digitales Tagelöhnertum
kombiniert mit elektronischer Komplettüberwachung ein. Andere Anbieter haben aufgrund der
Netzwerkeffekte der IT-Konzerne fast keine Chance, sich auf dem Markt zu behaupten.

Stickoxidskandal der Autokonzerne

Der Stickoxidskandal in Deutschland führt die Lobbymacht der Autokonzerne und die Schwäche
unserer politischen Institutionen vor Augen: Die Autohersteller dürfen noch immer Pkw auf den
Markt bringen, die ein Vielfaches der gesetzlichen Grenzwerte überschreiten und die Gesundheit
der Bürger/innen in den Städten schädigen. Die offiziellen CO2-Grenzwerte der EU werden in der
Praxis um mehr als 40 Prozent überschritten – zum Nachteil der Kund/innen, der Bürger/innen
und des Klimas. Mit ihrer Marktmacht beuten die Hersteller ihre Zulieferer gnadenlos aus.
Letztere müssen ihre Preiskalkulation vollständig offen legen und Knebelverträge eingehen,
sogar „Eintrittsgelder“ an Autokonzerne zahlen.

Konzentration Lebensmitteleinzelhandel

Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel teilen sich Edeka, Rewe, Schwarz (Lidl und Kaufland)
und Aldi 85 Prozent des Absatzmarktes. Lieferanten wird mit Auslistung gedroht, wenn sie sich
deren Preisdiktat und Konditionenforderungen nicht beugen. Der Preis- und Kostendruck wird
von Lieferanten entlang der Lieferkette in Deutschland, Europa und im globalen Süden
weitergegeben. Kostendeckende Preise für Bauern und Bäuerinnen sowie existenzsichernde
Löhne für Arbeiter/innen – insbesondere Migrant/innen – sind schwerlich bzw. gar nicht
durchsetzbar. Vor Ort existieren für bäuerliche Betriebe kaum noch Absatzalternativen und beim
Kauf von Saatgut und Pestiziden sind sie zukünftig noch stärker von Bayer-Monsanto & Co.
abhängig.

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09.01.2018