Mega-Fusion von Bayer-Monsanto stoppen

AbL: Zeigen Sie Mut, Frau Vestager! Fairer Wettbewerb statt Konzerngewinne

„Bäuerinnen und Bauern brauchen einen fairen und wirksamen Wettbewerb. Der wird durch die aktu­el­len und geplanten Fusionen in den Bereichen Saatgut, Pflanzenschutz, Landmaschinen und Digitalisierung verhindert. Deshalb muss EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager die geplante Fusion von Bayer-Monsanto stoppen, statt sie unter Auflagen zu genehmigen“, fordert Martin Schulz, Bauer im Wendland und Bundesvorsitzen­der der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirt­schaft (AbL). Die AbL ist Drittpartei im Fusionsverfah­ren Bayer-Monsanto und hat in ihren Stellung­nahmen ausführlich die bäuerlichen Argumente gegen die geplante Fusion begründet. Bevor die EU-Kommission ihre Entschei­dung am 5. April oder früher bekannt gibt, wendet sich die AbL in einem Brief nun erneut an die EU-Kommissarin Vestager.

Schulz dazu: „Die geplanten Abspaltungen und Zugeständnisse von Bayer reichen nicht aus, um einen wirksamen Wettbewerb sicher zu stellen. Im Gegenteil, die marktbeherrschende Stellung von Bayer und Monsanto würde weiter verstärkt, und das in einem bereits hoch konzentrierten Saatgut- und Pestizidmarkt. Nach der Fusion würden drei Konzerne – Bayer-Monsanto, Dow-DuPont und ChemChina-Syngenta – zusammen 61% des weltweiten Saatgutmarktes und 71% des weltweiten Pestizidmarktes beherrschen. Alleine Bayer-Monsanto würde 31% des Saatgutmarktes, 27% des Pestizidmarktes und 25% der erteilten Patente besitzen. Diese Marktbeherrschung hätte fatale Auswirkungen auf den Preis-, Produkt-, Innovations- und Forschungswettbewerb und auf die Sortenaus­wahl und Vielfalt. Die Auswahlmöglichkeiten und Entscheidungsfreiheit von Bauern sowie die Wahlfreiheit der Verbrauche­r würden versperrt. Auch der geplante Verkauf verschiedener Saatgut- und Pestizid­bereiche an die BASF löst die Probleme nicht. Die BASF war vor den Fusionen Nummer drei im Pesti­zidmarkt und hat seit Jahren Kooperationsvereinbarungen mit Monsanto. Abzuspaltende Unter­neh­mensbereiche müssen vollständig sein und sind an einen komplett unabhängigen Dritten abzugeben.“

Ein weiteres Problem der angestrebten Fusion ist die entstehende Marktbeherrschung von Bayer-Monsanto im Bereich Digitalisierung der Landwirtschaft. Beide Konzerne haben in den letzten Jahren erheblich in den Kauf von Dienst­leis­tern, Roboterentwicklung, Analytik- und Optimierungstools investiert und sind Partnerschaften mit Landmaschinenhändlern wie Claas, John Deere und AGCO eingegangen. Bayer und Monsanto sind Marktführer mit erheblichem Technologievorsprung im Schlüsselelement digitaler Anbauempfehlungen.

Schulz dazu: „Bayer-Monsanto würde aufgrund ihres erheblichen Technologie- und Investitionsvor­sprungs die Digitalisierung der Landwirtschaft beherrschen. Bei einer solchen Marktdominanz im Bereich der digitalen Plattformen kombiniert mit Saatgut, Pestiziden und Kooperation mit Landma­schi­nenhändlern wird uns Bauern die Entscheidungshoheit und Wahlfreiheit aus der Hand gerissen. Ein unabhängiger Zugang zu Geoinformationen und anderen Anbietern wird versperrt. Der BASF eine Exklusivlizenz für die Nutzung der Bayer-Plattform anzubieten ist völlig unzureichend, da jegliches Know-How bei Bayer-Monsanto bleibt. Stattdessen muss der gesamte Bereich der Digitalisierung abgegeben werden“, fordert Schulz.

Die AbL ruft deshalb die EU-Wettbewerbskommissarin in ihrem Brief auf: „Frau Vestager: Zeigen Sie Mut und setzen Sie sich für einen echten und fairen Wettbewerb ein – statt für die Gewinn-Inte­res­sen der Konzerne. Die geplan­te Fusion von Bayer und Monsanto wäre eine fatale Weichenstellung für die Zukunft der Land­wirt­schaft und unsere Ernährungsgrundlagen.“

02.03.2018
Von: Pressemeldung