Ein Neuer für die Interessen der Agrarindustrie

DBV-Präsident Rukwied müsste besser wissen, was die Märkte bestimmt

Heute bekommt der Deutsche Bauernverband (DBV) mit Herrn Joachim Rukwied einen neuen Präsidenten. Im Vorfeld seiner Wahl hat der aus Baden-Württemberg stammende Rukwied amerikanische Großfarmen zu seinem Leitbild erklärt und eine Ausrichtung der deutschen Landwirtschaft auf die globalen Exportmärkte fordert.

„Herr Rukwied schlägt einen Tenor an, der alles, was sich an den sozialen und ökologischen Anforderungen unserer Gesellschaft orientiert, als marktfeindliche Romantik bezeichnet. Dagegen malt er das Bild der rationalen Ökonomie, die auf globale Exportmärkte, Effizienz und auf Technik setzt, auch Gentechnik, und er behauptet, damit die Probleme der Menschheit, insbesondere den Hunger von aktuell fast einer Milliarde Menschen auf der Erde lösen zu können. Dieser altbackene Machbarkeitswahn ist aber längst an der Realität gescheitert und hat vielmehr wesentlich zum weltweiten Anwachsen der sozialen und
ökologischen Herausforderungen beigetragen. Diejenigen, die wirklich nach Lösungen suchen, setzen deshalb klar auf bäuerliche Wirtschaftsweisen, weltweit“, kommentiert Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

„Der neue DBV-Präsident geht an den Notwendigkeiten vorbei und übersieht dabei, dass die gesellschaftlichen Anforderungen längst auch den Markt bestimmen. Die Handelsketten haben das bereits erkannt und werben mit Regionalität, mit besonderen Qualitäten und suchen jetzt nach Partnern, um auch mit echtem Tierschutz werben zu können. Die Märkte bestimmen längst andere gesellschaftliche Kräfte als der DBV“, so Graefe zu Baringdorf.

„Herr Rukwied wird das alles wissen. Trotzdem fordert er Bauern und Politik auf, die gesellschaftlich fest verankerten Erwartungen zu ignorieren. Das macht keinen Sinn, es sei denn, auch der neue DBV-Präsident will sich als Interessensvertreter einer agrarindustriellen Rohstoffproduktion für die exportorientierte Agrarindustrie und die Energiewirtschaft ausweisen. Offenbar kann man im DBV nur an die Spitze kommen, wenn man sich der
Agrarindustrie andient“, folgert der AbL-Vorsitzende.

„Wir setzen weiterhin auf eine intensive und konstruktive Diskussion mit den anderen gesellschaftlichen Kräften und Organisationen, um die Rahmenbedingen so zu setzen, dass die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aufgaben in Europa und weltweit gelöst werden. Das bietet Zukunft für Bauern und für die gesamte Gesellschaft“, so Graefe zu Baringdorf.

27.06.2012
Von: Pressemitteilung