Frau Merkel, wir haben Fragen!

Trecker starten zur Demo nach Berlin. Für eine gesellschaftsfähige Agrarpolitik, für bäuerliche Landwirtschaft

„Mit ihrem Eröffnungsrundgang auf der Grünen Woche heute morgen hat Bundeskanzlerin Angela öffentlich zum Ausdruck gebracht, dass sie die Verantwortung für die Agrarpolitik übernommen hat. Das begrüßen wir ausdrücklich. Die bisherige Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die es bekanntlich nach Bayern zieht, hat in den Brüsseler Verhandlungen um die aktuelle Reform der europäischen Agrarpolitik versäumt, die Interessen der gesamten Gesellschaft zu vertreten und sich zu sehr von Vertretern der Agrarindustrie leiten lassen. Es ist noch nicht zu spät, in der Zielgeraden dieser EU-Agrarreform diese Haltung zu ändern“, kommentiert Bernd Voß, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) den Besuch der Kanzlerin auf der Agrarmesse. „Die Agrarpolitik muss klare Antworten geben auf grundsätzlichen Fragen“, so Voß.

„Warum sollten die Steuerzahler damit einverstanden sein, dass ein ganzes Dritter der EU-Zahlungen an weniger als zwei Prozent der Betriebe geht, also zusammen 1,8 Milliarden Euro an weniger als 6.500 der insgesamt rund 300.000 Betriebe in Deutschland?“, fragt Voß. „Warum lehnt die Bundesregierung den Vorschlag der EU-Kommission ab, dass jeder Betrieb als Gegenleistung für jährliche Steuergelder einen konkreten Beitrag dafür leisten muss, dass uns Feldlerche, Kiebitz und andere Allerweltsarten in der Landschaft lebendig erhalten bleiben?“ fragt der AbL-Vorsitzende. „Wie will die Bundesregierung verhindern, dass sich Mais-Monokulturen weiter ausbreiten? Wie will sie erreichen, dass nicht länger diejenigen Bauern wirtschaftlich als die Dummen dastehen, die mit vielfältigen Fruchtfolgen arbeiten, und die die natürliche Düngewirkung der Leguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen im Sinne eines aktiven Klima- und Bodenschutzes nutzen?“

„Wie will die Bundesregierung erreichen, dass sich Europa erst einmal von den eigenen Flächen und Ressourcen ernährt, bevor es lauthals den Anspruch anmeldet, Weltmärkte satt machen zu wollen? Europas Agrar- und Ernährungswirtschaft beansprucht zusätzlich zu Europas Flächen noch mal die zweifache Nutzfläche Deutschlands in anderen Kontinenten, vor allem für den Anbau von Tierfutter“, so Voß, und weiter: „Warum sollen bei der Ausgestaltung der Brüsseler Marktregeln die Interessen von internationalen Molkereikonzernen mehr gelten als der Milchbauern und Bäuerinnen?“

„Solange die EU-Agrarpolitik die falschen Anreize setzt, sind Fehlentwicklungen logische Konsequenz. Jetzt hat Europa die Chance, diese Agrarpolitik umzusteuern. Dafür demonstrieren wir Bauern und Bäuerinnen morgen in Berlin gemeinsam mit Tierschützern, Umweltschützern, kirchlichen Entwicklungsorganisationen, Imkern und Genießern. Die ersten Trecker sind heute gestartet. Wir wollen die Chancen der Reform nutzen, und wir fordern Kanzlerin Merkel auf, uns dabei tatkräftig zu unterstützen“, so der AbL-Vorsitzende.

18.01.2013
Von: Pressemitteilung

Bild - Hinweis: Foto: AbL