Gentechnikfreie Landwirtschaft auf der Kippe

AbL fordert klares „Nein“ von der neuen Bundesregierung

„Wir fordern die verantwortlichen Politiker der neuen Bundesregierung eindringlich auf, sich bei der anstehenden Beschlussfassung über den neuen Gentechnik-Mais 1507 zum Anbau in Europa mit einem klaren NEIN zu positionieren. Das wäre ein gutes Signal für die Bevölkerung und für die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland und in Europa!“ so Maria Heubuch, Bäuerin aus dem Allgäu und Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V.

Im Januar steht die Entscheidung der EU-Mitgliedsstaaten für oder gegen die Anbauzulassung einer neuen gentechnisch veränderten Mais-Sorte 1507 von Pioneer Hi-Bred an. An den zuständigen Landwirtschaftsminister Dr. Hans-Peter Friedrich gerichtet, erklärt Heubuch: „Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung heißt es: ‚Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an‘ – folglich muss die Bundesregierung sich mit einem klaren NEIN gegen die Anbauzulassungen in Europa positionieren – und nicht wie in den vergangenen Jahren mit „Enthaltung“. Damit muss jetzt Schluss sein, denn nur wenn sich genügend Mitgliedsstaaten mit einem klaren ‚Nein‘ positionieren, wird die EU-Kommission den Gentechnik-Mais nicht zum Anbau in Europa zulassen. Bei Enthaltungen wird EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg dem Anbau zustimmen, das hat er eindeutig gegenüber der Presse angekündigt.“

Der Gentechnik-Mais 1507 hat zwei Eigenschaften: Er soll innerhalb der Pflanze Insektengifte gegen den Maiszünsler erzeugen. Der Maiszünsler ist in Deutschland gut mit ackerbaulichen Methoden in den Griff zu bekommen, zum Beispiel durch Fruchtfolgen, tiefes Schlägeln und Einarbeiten der Ernterückstände. Zusätzlich ist der 1507-Mais gegen den Wirkstoff Glufosinat resistent, das heißt, der Mais 1507 übersteht eine Spritzung mit dem Totalherbizid Basta oder Liberty von Bayer. Glufosinat hat Einfluss auf die embryonale Entwicklung und wird deshalb sogar von der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA als problematisch eingestuft. Zudem wird Glufosinat laut Aussagen des Bundeslandwirtschaftsministeriums 2017 europaweit seine Zulassung verlieren.

Der AbL-Bundesvorsitzende und Bauer aus Schleswig-Holstein Bernd Voss ergänzt: „Erfahrungen aus Nord- und Südamerika zeigen, dass der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen nicht die Vorteile bringt, die die Gentechnik-Industrie versprochen hat. Stattdessen führt der Anbau von Gentechnik-Pflanzen zu einem höheren Pestizidverbrauch, geringeren Ernten, resistenten Unkräutern und Schädlingen, die teilweise zu höheren Ernteausfällen führen als bei gentechnikfreiem Anbau. Ein in Nord- und Südamerika gescheitertes System sollten wir in Europa nicht einführen – stattdessen sollten wir aus den Erfahrungen der Praxis lernen und die gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland und Europa aktiv sichern.“

06.01.2014
Von: Pressemeldung