NEULAND ist wichtiger denn je

„Wir lernen aus Fehlern“

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) nimmt den vor einigen Tagen öffentlich bekannt gewordenen Betrugsfall bei Mastgeflügel zum Anlass, um auf die große Bedeutung des „NEULAND Programms für artgerechte Tierhaltung“ für die notwendige Ausrichtung der gesamten Landwirtschaft auf artgerechte Tierhaltung hinzuweisen. Die AbL bedauert ausdrücklich, dass durch den Betrugsfall Verbraucherinnen und Verbraucher Geflügelfleisch erhalten haben, das nicht den Neuland-Kriterien entsprach. Der bisher im Kontrollsystem des Programms fehlende Mengenabgleich von Wareneingang und Warenausgang zwischen einzelnen Stufen habe dazu beigetragen, dass der Betrugsfall zu spät aufgedeckt worden sei. Das werde nun durch die eingesetzte Revision der Kontroll- und Zertifizierungsregeln konsequent behoben. Die Aufklärung des Falles müsse und werde dazu beitragen, die wegweisende Funktion von NEULAND in der Tierhaltung zu stärken.

Die AbL-Bundesvorsitzenden Maria Heubuch und Bernd Voß erklären:

„Mit dem NEULAND-Programm für artgerechte Tierhaltung ist Bauern, Tierschützern und Umweltschützern gemeinsam etwas gelungen, das heute auch maßgeblich durch diesen Einsatz ganz oben auf der agrarpolitischen Tagesordnung steht: Gemeinsam haben sie in über 25 Jahren täglicher Praxis eine Nutztierhaltung entwickelt, die insbesondere den höchsten Ansprüchen einer artgerechten Tierhaltung entspricht und die gleichzeitig den teilnehmenden bäuerlichen Betrieben über deutlich höhere Erzeugerpreise eine wirtschaftliche Perspektive ermöglicht. Mit den absoluten Bestandsobergrenzen, die es bisher nur bei NEULAND gibt, steht NEULAND unmissverständlich für den wirtschaftlichen Erhalt von möglichst vielen Betrieben. Die maximal zulässigen Tierbestände pro Betrieb sind ein klares Zeichen gegen das scheinbar grenzenlosen Wachstum der Bestände in der Tierhaltung. Auch den beteiligten Metzgern als wesentliche Träger der NEULAND-Vermarktung bietet NEULAND die Chance, sich durch ein klares Qualitätsangebot vom allgemeinen Fleischmarkt und dessen Billigstangeboten abzuheben und den Verbraucherinnen und Verbrauchern den Zugang zu Fleisch und Wurstwaren aus diesem einzigartigen Programm zu eröffnen.

Bei allen Schwierigkeiten, in einem von häufigen Billigstpreisen geprägten Marktumfeld so viele Jahre auch wirtschaftlich zu bestehen, ist NEULAND eine echte Erfolgsgeschichte. NEULAND zeigt, dass artgerechte Tierhaltung in der Praxis funktioniert. Andere Initiativen müssen sich daran messen lassen.

Im Vergleich zur Schweinehaltung und Rindermast, den beiden Schwerpunkten des Fleisch-Programms NEULAND, ist beim Mastgeflügel im konventionellen Bereich mittlerweile jedoch ein Maß an Industrialisierung vorherrschend, das die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit für NEULAND-Haltungssysteme erschwert. Das ist der wesentliche Grund für die Schwierigkeiten, Betriebe für eine artgerechte Geflügelmast zu gewinnen. Es hat sich für NEULAND an dieser Stelle als schwerer Fehler erwiesen, Geflügel von einem Geflügelmäster mit eigenem Schlachtbetrieb aufzunehmen, ohne die Kontrolle an dieser Stelle auch auf diese Konstellation auszurichten. Das hat die Betrugsanfälligkeit hier deutlich erhöht, weil die Kontrolle dieser externen stufenübergreifenden Betriebe nicht gewährleistet war. Das Kontrollsystem von NEULAND war darauf bedauerlicherweise nicht ausgerichtet. Es fehlte hier insbesondere ein automatischer und stets aktueller Mengenabgleich zwischen den Stufen. Diese Lücke hat der Geflügelmäster und -Schlachtbetrieb für sich genutzt, um zu betrügen. Wir bedauern ausdrücklich, dass das Vertrauen von Verbraucherinnen und Verbrauchern dadurch verletzt worden ist. Diese Lücke im NEULAND-System wird jetzt geschlossen.

Wir nehmen den Betrugsfall, seine Aufklärung und die sich daraus ergebenden erforderlichen Änderungen im NEULAND-System äußerst ernst. Wir tragen Verantwortung auch für die NEULAND-Mitgliedsbetriebe, die nur dann eine wirtschaftliche Perspektive behalten, wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher auch weiterhin volles Vertrauen in die artgerechte Tierhaltung in NEULAND-Qualität haben können. Dafür müssen wir sorgen.

NEULAND hat einen wesentlichen Beitrag dafür geleistet, dass artgerechte Tierhaltungssysteme im Bewusstsein der Bevölkerung heute so einen hohen Stellenwert haben. Die Art der Tierhaltung ist aktuell zu einem wichtigen Einkaufsargument im Markt geworden. NEULAND stellt sich der wachsenden Nachfrage und will sich im Markt weiter ausdehnen. Die aktuelle Überarbeitung des Zertifizierungs- und Kontrollsystems ist dafür eine unabdingbare Vorraussetzung“, erklären die AbL-Bundesvorsitzenden Maria Heubuch und Bernd Voß.

21.04.2014
Von: Pressemeldung