Raiffeisenverband gibt sich bockig

Lebensmittelhandel, Verbraucher und Bauern wollen gentechnikfreie Fütterung

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßt den aktuellen Vorstoß des Lebensmitteleinzelhandels, der in der Tierhaltung auf gentechnikfreie Fütterung setzt und dazu eine branchenweite Verpflichtung abschließen möchte. „Hingegen muss sich der Deutsche Raiffeisenverband fragen, ob ihm weiter die Rücksichtnahme auf Gentechnikkonzerne wichtiger ist als sich auf die Anforderungen des Marktes in Europa und der Verbraucher und Bauern einzustellen“, so Bernd Voß, Bauer aus Schleswig-Holstein und Bundesvorsitzender der AbL in einer Stellungnahme. Voß weiter:

„Der Raiffeisenverband als wichtiger Akteur im lukrativen Futtermittelgeschäft gibt sich in der Gentechnikfrage immer noch bockig und versucht, die gentechnikfreie Fütterung als Marktnische herunter zu reden. Statt sich seit Jahren auf der politischen Ebene in Berlin und Brüssel für höhere Importe für Gentechnik-Futtermittel stark zu machen, sollte der Raiffeisenverband die gesellschaftliche Diskussion um die Tierhaltung und Fütterung zur Kenntnis nehmen. Zu einer artgerechten Tierhaltung gehören auch eine tiergerechte Fütterung, die auf die Risikotechnologie Gentechnik bewusst verzichtet, und faire Preise für die Bauern. Brasilien als wichtigstes Soja-Exportland ist heute schon in der Lage, die deutsche und selbst einen Großteil der europäischen Landwirtschaft mit Soja in gentechnikfreier Qualität zu beliefern. Verunreinigungen und Verschleppungen können verhindert werden, wenn eine entsprechende Nachfrage nach gentechnikfreier Ware den Erzeugerländern frühzeitig signalisiert wird. Die Praxis in Brasilien zeigt es: Wenn Transportketten auf gentechnikfrei umgestellt werden - vom Acker des Sojaanbauers bis zum Silo in Deutschland - dann sind Kontaminationen kein Problem. Problematisch sind gemischte Lieferketten, weil da intensive Spülchargen notwendig sind, aber auch hier ist es möglich, Verunreinigungen zu vermeiden. Für die AbL ist es auch wichtig, sich von der Exportabhängigkeit im internationalen Futtermittelgeschäft zu lösen. Auch in Deutschland und in Europa wächst immer mehr gentechnikfreie Soja auf den Äckern. Die AbL fordert darüber hinaus den Anbau von einheimischen Eiweißfutterpflanzen wie Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen und Luzerne (Leguminosen) politisch viel stärker zu unterstützen. Das Interesse am Leguminosenanbau nimmt unter den bäuerlichen Berufskollegen erfreulicherweise zu. Wenn jetzt der deutsche Lebensmitteleinzelhandel in großer Einmütigkeit von der Geflügelindustrie und von den Eiererzeugern die geschlossene Rückkehr zur Fütterung der Tiere ohne Gentechnik wünscht, dann ist das ein starkes Signal. Es wäre töricht, das zu übersehen.“

24.09.2014
Von: Pressemeldung