Mit Qualitätsmilch von der Masse abheben

Weidehaltung statt ganzjährig im Stall. Gentechnikfrei gefüttert. Langlebig gesunde Kühe. Faire Preise für bäuerliche Milcherzeuger. Molkereien und Politik gefordert

„Nach dem Ende der Quote heißt es für uns bäuerliche Milcherzeuger erst recht, dass wir uns über besondere Qualitätserzeugungen von der allgemeinen Masse absetzen müssen, um faire Preise für unsere Milch zu erreichen“, fasst Ottmar Ilchmann, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Situation nach Wegfall der Milchquote zum 1. April 2015 zusammen. Ilchmann vertritt heute Nachmittag im Bundestag die AbL in der öffentlichen Anhörung zum Milchmarkt nach der Quote.

In ihrer schriftlichen Stellungnahme zur Anhörung stellt die AbL fest, dass die Abschaffung der Milchquote einseitig das Wachstum von Milchviehbetrieben verbillige, weil Wachstumsbetriebe jetzt nicht mehr vor der Frage stünden, ob sie zusätzliche Quoten erwerben oder Strafabgaben bei Überschreitung ihrer Quoten riskieren wollen. „Überhaupt nicht verbilligt wird dagegen die Milcherzeugung für diejenigen Betriebe, die im Wachstumswettlauf nicht mitmachen und daher für die preissenkenden Überschüsse im Markt auch nicht verantwortlich sind“, so Ilchmann. „Genau diese Milchbauern müssen wir nun aktiv dabei unterstützen, über die Erzeugung besonderer Qualitäten wirtschaftliche Perspektiven für ihre Betriebe zu entwickeln. Da sind die zuständigen Minister von Bund und Ländern jetzt besonders gefragt“, so Ilchmann, Milchviehhalter in Ostfriesland.

„Eine Tierhaltung in Großanlagen stößt in der Nachbarschaft immer stärker auf Ablehnung. Das betrifft mittlerweile auch die Milchviehhaltung“, warnt Ilchmann. Dagegen wachse in der Gesellschaft der Wunsch nach einer qualitativ hochwertigen Milcherzeugung. „Für richtig halten die Menschen, dass die Kühe im Sommerhalbjahr wenigstens halbe Tage zum Grasfressen auf die Weide kommen. Weidehaltung ist die Stärke der kleineren und mittleren Betriebe, in Großbetrieben geht das praktisch nicht mehr“, gibt der Milchbauer ein Beispiel für Qualität. Die Fütterung ohne gentechnisch veränderte Futtermittel sowie die Langlebigkeit gesunder Milchkühe, also ein hohes Durchschnittsalter in der Herde, zählt für die AbL zu weiteren wichtigen Qualitätskriterien mit zunehmender Bedeutung im Markt.

Die Molkereien fordert die AbL auf, gemeinsam mit den Milchbauern diese Märkte vor der Haustür zu erschließen, statt auf fragwürdige Exporte nach Asien oder Afrika zu setzen. Außerdem fordert die AbL die Molkereien auf, denjenigen Milcherzeugern einen Bonus zu zahlen, die nach der Quote ihre Milchmenge nicht ausdehnen. Denn sie trügen so dazu bei, dass der gerade wieder etwas stabilisierende Milchpreis nicht erneut unter Druck gerät.

Auf EU-Ebene unterstützt die AbL das Marktverantwortungsprogramm des European Milk Board, das maßgeblich vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter entwickelt worden ist. Es sieht zeitlich befristete mengenbegrenzende Maßnahmen für den Fall vor, dass neue Milchseen entstehen und der Milchpreis dadurch weit unter die Erzeugungskosten der Milchbauern fällt. „Dieses Programm ist ein wichtiger Beitrag, um substanzvernichtende Situationen am Milchmarkt zu vermeiden“, so Ilchmann.

Hinweis für die Redaktionen:

Unter bundestag.de/bundestag/ausschuesse18/a10/anhoerungen/milchmarkt/365108 finden Sie die schriftliche Stellungnahme der AbL zur heutigen Anhörung im Bundestag.

23.03.2015