Bauern und Zivilgesellschaft sind für artgerechte Tierhaltung

Zum heute vorgelegten Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats zur Tierhaltung: Umbauprogramm für artgerechte Tierhaltung muss auf die Tagesordnung

„Für uns Bäuerinnen und Bauern ist dieses Gutachten eine wissenschaftliche Bestätigung, dass an einer artgerechten Tierhaltung auf den Höfen kein Weg vorbei geht. Es ist deshalb an der Zeit, dass die Bundesregierung ein Umbauprogramm für die Tierhaltung auf den Weg bringt, das Tierschutz und Wirtschaftlichkeit der bäuerlichen Betriebe in Einklang bringt“, so Martin Schulz, Bauer aus dem Wendland (Niedersachsen) und Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V.

Schulz, der selbst seit über 20 Jahren eine Schweinehaltung nach strengen Neuland-Tierrichtlinien betreibt, sieht in dem aktuellen Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats eine Bestätigung der jahrelangen politischen Anstrengungen der AbL. Schulz weiter:

„Die Gesellschaft will zu Recht wissen, wie ein Tier gehalten, gefüttert, medizinisch behandelt, transportiert und geschlachtet wird. Industrielle Massentierhaltung in Deutschland mit Beständen über 10.000 Zuchtsauen, über 50.000 Mastschweine, über 200.000 Masthähnchen sind nicht nur die Totengräber einer bäuerlichen Landwirtschaft –sie müssen verboten und der Bau solcher industrieller Anlagen umgehend gestoppt werden. Für uns gelten als Orientierung für eine bäuerliche Landwirtschaft die Tierbestandsobergrenzen des von der AbL mitbegründeten Neuland-Programms (z.B. zur Zeit 950 Schweinemastplätze, 150 Sauen). Wir sind für Stroheinstreu und Weidehaltung für die Wiederkäuer. Das Schnäbelkürzen bei Geflügel, die Tötung von männlichen Küken und das Schwänzekürzen bei Schweinen müssen umgehend verboten werden. Zahlreiche Bio –und Neulandbetriebe beweisen seit Jahren in der Praxis, dass eine artgerechte Nutztierhaltung geht und wirtschaftlich sein kann. Gentechnisch veränderte Futtermittel lehnen wir ab. Die Fütterung der Nutztiere muss so weit wie möglich auf einheimische Futterbasis, beim Eiweiß insbesondere auf einheimische Leguminosen (z.B. Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen etc.) umgestellt werden. Uns ist bewusst, dass durch den ruinösen Preis- und Rationalisierungsdruck auch in kleinen und mittleren Betrieben eine nicht artgerechte Tierhaltung vorkommen kann. Jahrelang haben Politik, Wissenschaft und Beratung auf „Wachsen oder Weichen“ gesetzt. Deshalb müssen jetzt staatliche Förderungen für ein „Umbauprogramm Tiergerechte Haltung“ als Anreiz für den Bau artgerechter Stallungen gegeben werden. Worauf wartet die Bundesregierung nach diesem wissenschaftlichen Gutachten noch? Bäuerinnen und Bauern wollen weg von der Anklagebank der Gesellschaft. Dafür kann und muss die Politik grundlegende Rahmenbedingungen verändern, zum Wohle der Nutztiere und der Bauern. Wann, wenn nicht jetzt?“

25.03.2015
Von: Pressemeldung