Mit Zuckerbrot und Peitsche auf Gentechnik-Kurs

AbL fordert Offensive für klimafreundliche und gentechnikfreie Landwirtschaft

Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, auch bei Importen von gentechnisch veränderten (GV) Pflanzen für Lebens- und Futtermittel ein „opt out“ einzuführen. Damit sollen EU-Mitgliedstaaten den Import von GV-Pflanzen für ihr Hoheitsgebiet ganz oder teilwiese verbieten können. EU-Kommissions­präsi­dent Juncker hatte zu seinem Amtsantritt erklärt, die Zulassungsverfahren für GV-Pflanzen überarbeiten und demokratisieren zu wollen. „Die EU-Kommission hält Zuckerbrot hin und wird mit deftiger Peitsche folgen. Was aber ausbleibt ist die längst überfällige grundlegende Reform der industrienahen EU-Bewertungsbehörde und die Verschärfung des Zulassungsverfahrens“, kritisiert Georg Janßen, Bundesgeschäfts­führer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Janßen weiter: „Die EU-Kommission und die Bundesregierung fahren derzeit ein durchsichtiges Gentechnik-Ablenkungsmanöver. Die Bundesregierung will sich beim GV-Anbau nicht auf bundesweite Anbauverbote festlegen, für die sie die Verantwortung übernimmt. Wenn in der EU aber Anbauverbote schon auf die nationale Ebene verlagert werden, dann müssen sie auch bundesweit kommen, um den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft nicht zu unterlaufen und ein Rechtschaos zu vermeiden“, so Janßen. „Die EU-Kommission treibt die Ablenkungsversuche nun noch auf die Spitze, weil sie jetzt auch für Futter- und Lebensmittel rechtlich wackelige nationale Verbote ins Spiel bringt, anstatt die Chancen für einen grundlegenden Richtungswechsel in der europäischen Zulassungs- und Importfrage zu nutzen“, kommentiert Janßen.

„Angesichts des Klimawandels und des Hungers und der Armut in der Welt brauchen wir eine Abkehr von klimaschädlichen und sozial verwerflichen Importfuttermitteln. Wir müssen hinkommen zu einer europäischen Eiweißversorgung und einer sonnenbasierten Landwirtschaft. Europa beansprucht weit über seine eigene Fläche hinaus Futterflächen in anderen Kontinenten für umfangreiche Futtermittelimporte. Dies geht auf Kosten der Menschen und der Umwelt dort und befördert industrielle Tierhaltung bei uns. Eine zukunftsweisende und souveräne Landwirtschaft und Ernährung muss auf einheimische, klimaschonende Futtermittelerzeugung und den Anbau von Leguminosen wie Ackerbohne, Erbsen, Lupinen und Kleegras setzen“, betont der AbL-Geschäftsführer. Um die Transparenz und Wahlfreiheit der Verbraucher zu stärken, fordert die AbL zudem die Kennzeichnung von Milch, Eiern und Fleisch, wenn Gentechnik-Pflanzen bei der Fütterung eingesetzt werden.

„Neben dem vermeintlichen Zuckerbrot hat die EU-Kommission auch die Peitsche in der Hand. Sie will über ein Dutzend weitere GV-Pflanzen zum Import zulassen. Dabei zeigen die Erfahrungen in Nord- und Südamerika, dass die Gentechnik-Industrie ihre Versprechen nicht einhalten kann. Der Spritzmitteleinsatz steigt. Die Antwort der Industrie sind mehrfach resistente GV-Pflanzen, die mit noch mehr Spritzmitteln behandelt werden. Statt dies zu unterstützen, sollte die EU-Kommission klare Signale setzen und die zarte Pflanze derjenigen amerikanischen Landwirte unterstüt­zen, die wieder auf gentechnikfreie Erzeugung rückumstellen. GV-Importe müssen gestoppt und durch gentechnikfreie Importe und durch einheimische Eiweißerzeugung ersetzt werden“, fordert Janßen.

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Die Pressemitteilung der EU-Kommission finden Sie hier

22.04.2015
Von: Pressemitteilung