Milcherzeugung drosseln. Superabgabe dafür nutzen

Ilchmann: „Ruf nach Exportoffensive ist hilflos und geht auf Kosten der Bauern“

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert Bundesminister Christian Schmidt und die Landwirtschaftsminister der Bundesländer auf, sich umgehend auf EU-Ebene für eine kurzfristige und abgestimmte Drosselung der Milcherzeugung einzusetzen.

„Der Milchmarkt steckt in einer tiefen Krise. Die Marktpreise für Standardprodukte wie Milchpulver und sogar für Käse sind bereits unter das Niveau des letzten Krisenjahres 2012 gefallen. Für uns Milchbauern ist das Melken zu einem bedrohlichen Verlustgeschäft geworden. Es muss dringend gegengesteuert werden, und zwar EU-weit abgestimmt“, mahnt Ottmar Ilchmann, stellvertretender AbL-Vorsitzender und Milchbauer in Ostfriesland.

Mittlerweile sei unstrittig, dass der Preisverfall auf ein Überangebot an Milch zurückgehe, so die AbL. Auf dem EU-Binnenmarkt stagniere die mengenmäßige Nachfrage, und die internationale Nachfrage sinke sogar. „Es ist widersinnig, in so einer Situation die Milcherzeugung auszudehnen. Doch genau das passiert gerade“, erläutert Ilchmann. Laut EU-Kommission lag die Milcherzeugung EU-weit in den Monaten April-Mai 2015 um 2,1 Prozent über dem Rekordwert des Vorjahres (Deutschland + 2,3 Prozent). „Viele Milcherzeuger versuchen, bei fallenden Auszahlungspreisen der Molkereien durch mehr Menge die Verluste etwas zu verringern. Wir brauchen daher ein abgestimmtes Vorgehen, um die Milchmenge insgesamt zu drosseln und an die Nachfrage anzupassen“, so Ilchmann.

Die AbL schlägt vor, für eine solche koordinierte und zeitlich befristete Drosselung der Milcherzeugung die nun fälligen so genannten Superabgaben einzusetzen. Diese Superabgaben werden von den landwirtschaftlichen Betrieben erhoben, die im letzten Milchquotenjahr 2014/15 zum Teil deutlich mehr Milch abgeliefert haben als ihrer Quote entsprach. Nach Schätzungen müssen in diesem Jahr rund 800 Millionen Euro an solchen Abgaben an die EU abgeführt werden. „Mit diesem Geld sollte den aktiven Betrieben ein Anreiz gezahlt werden, ihre Milcherzeugung befristet um einige Prozent zu reduzieren“, fordert der stellvertretende AbL-Vorsitzende. „Wir wissen, dass schon relativ kleine Mengenveränderungen große Auswirkungen auf den Preis haben. Jetzt kommt es darauf an, dass unsere Minister endlich entsprechend aktiv werden. Frankreichs Regierung hätten sie dabei schnell an ihrer Seite“, ist sich der Milchbauer sicher.

Forderungen, mit den Superabgaben eine Ausdehnung der staatlichen Lagerhaltung (Intervention) oder eine weitere Exportoffensive der Molkereien zu bezahlen, lehnt die AbL ab. „Vor dem Hintergrund der aktuell sinkenden internationalen Nachfrage ist Exportförderung rausgeworfenes Geld. Die internationalen Preise sind tief im Keller und werden sich bei noch mehr Exportdruck ganz sicher nicht erholen. Billigexporte gehen außerdem nicht nur auf Kosten der Milchviehhalter in Europa, sondern zerstören auch in den Zielländern bäuerliche Existenzen“, warnt Ilchmann. Notwendig sei vielmehr eine Qualitätsoffensive, um die Milchviehbetriebe aktiv dabei zu unterstützen, über die Erzeugung besonderer Qualitäten wie Weidehaltung, gentechnikfreie Fütterung, Langlebigkeit gesunder Milchkühe und Biomilch langfristige wirtschaftliche Perspektiven zu entwickeln, so die AbL.

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Kontakt Ottmar Ilchmann: 0176-45000760

Zahlen der EU-Kommission: