Bauern sind bereit: Runter vom Überschuss!

AbL sieht wachsende Bereitschaft bei Milchbauern, die Erzeugung zu drosseln. Bundesminister Schmidt ist nun gefragt. Handelskonzerne sollen helfen

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sieht unter den Milchbauern und Bäuerinnen eine wachsende Bereitschaft dazu, das stark marktbelastende Überangebot an Milch aktiv zu drosseln. „Die Molkereien haben die Auszahlungspreise an die Bauern gerade ein weiteres Mal abgesenkt, und sie machen uns keine Hoffnung auf eine baldige Besserung der Lage. Wir erzeugen mehr Milch, als zu vertretbaren Preisen nachgefragt wird. Dieses Überangebot macht uns kaputt, also müssen wir runter vom Überschuss“, beschreibt der stellvertretende AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann die Situation.

Derzeit werde aber nicht weniger Milch erzeugt, sondern noch mehr als im Rekordjahr 2014. Laut offizieller Erhebungen liegen die Anlieferungsmengen an die Molkereien in Deutschland seit Anfang Mai sogar noch über den Werten des Vorjahres, teilt die AbL mit. Viele Milcherzeuger versuchten, die Liquidität durch mehr Menge zu halten. „Doch so wächst der Überschuss, anstatt zu schmelzen, und der Preisdruck nimmt noch zu“, so Ilchmann.

Es habe aber längst ein Umdenken eingesetzt. „Die vielen Gespräche bei den Versammlungen und Aktionen von Milcherzeugern in den letzten Wochen zeigen deutlich, dass immer mehr Kollegen bereit sind, ihre eigene Milcherzeugung beispielsweise durch verringerte Kraftfuttergaben jeweils um einige Prozent zu reduzieren, wenn die Kollegen bundesweit und EU-weit mitziehen“, berichtet der Milchbauer aus Ostfriesland. „Der einzelne ist ziemlich machtlos. Es braucht eine übergeordnete Koordinierung. Da ist Bundesminister Schmidt gefragt. Er muss den Rahmen geben“, fordert der stellvertretende AbL-Vorsitzende.

Konkret fordert die AbL, aus den von Milchviehbetrieben in diesem Sommer letztmalig erhobenen „Superabgaben“ einen Bonus auszuschreiben für Milchviehbetriebe, die ihre Milcherzeugung kurzfristig und befristet um einige Prozent reduzieren. „Das ist ein aktiver Beitrag, um den Überschuss auszutrocknen und aus dem Preistief herauszukommen. Das würde allen Milchviehbetrieben helfen“, erläutert Ilchmann. „Bundesminister Schmidt fordern wir auf, diesen Vorschlag beim anstehenden Sonderministerrat am 7. September in Brüssel einzubringen und Mehrheiten dafür zu organisieren.“

Die Lebensmittelhandelsketten wie Aldi, Edeka, Lidl und Rewe fordert die AbL auf, ebenfalls einen aktiven Beitrag zum Überschussabbau zu leisten. „Die Ketten müssen die Bauern unterstützen, indem sie auf Billigangebote der Molkereien und Schlachtunternehmen nicht länger eingehen. Vielmehr müssen die Handelsriesen dringend die Preise anheben und das verbinden mit der Forderung nach einer Selbstverpflichtung der Milch- und Fleischindustrie, zum Überschussabbau aktiv beizutragen“, fordert der stellvertretende AbL-Vorsitzende. „Wir wollen, dass höhere Preise bei den Bauern ankommen, und nicht, dass die deutschen Verbraucher noch die Billigexporte der Ernährungsindustrie mitfinanzieren und die Bauern weiter das Nachsehen haben“, begründet Ilchmann diese Aufforderung.

Die AbL ruft zudem alle Milchbauern und Bäuerinnen zur Teilnahme an der Sternfahrt des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) auf, die am Montag starten wird.

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21.08.2015