EMB-Milchdemo in Brüssel: Es geht um die Höfe

Am Sonntag Abend war alles noch ganz ruhig. Nur die Polizei hatte sich schon rund um den Kreisverkehr Schumann direkt vor dem Gebäude der EU-Kommission eingefunden und bereitete sich auf die Großdemo am folgenden Tag vor. Während der Nacht kam eine Kolonne von Fahrern und Traktoren aus Deutschland in Brüssel an und parkte direkt neben den Barrikaden. Unter ihnen auch der Tieflader von Henning Schulte und Monika Habbena, die in der Woche zuvor schon aus Ostfriesland zur BDM-Demo nach München gefahren waren. Aber auch aus vielen anderen Teilen Deutschlands waren Schlepper gekommen. Schnell füllten sich die Straßen an diesem Vormittag mit Traktoren. Der BDM zählte über 2.000 Schlepper und 6.000 Bauern. Die zentrale Forderung an die im benachbarten Gebäude am Nachmittag tagenden Agrarminister war in aller Munde. „Die Menge muss runter“. Ob Erwin Schöppges von der MIG aus Belgien, Romuald Schaber, Präsident des EMB, oder Maria Heubuch, Europaabgeordnete und Gastrednerin auf der Großdemo. Sie alle forderten eine Anpassung der Menge an die Nachfrage. Wie eine derartige nur auf Krisenzeiten ausgerichtete Mengenregulierung aussehen kann, stellt das EMB in seinem Marktverantwortungsprogramm dar. Ganz anders als den Vertretern der zeitgleich in Brüssel demonstrierenden COPA/COGECA, dem Europäischen Bauernverband, der indirekte Subventionen in Form einer Anhebung des Interventionspreises fordert und vor allem in einer Intensivierung des Exports durch die EU den Ausweg aus der aktuellen Milchkrise sieht, fordert das EMB die Menge in Krisenzeiten gezielt zu reduzieren. Nur so könnten die Betriebe erhalten werden, die ländlichen Regionen weiterhin Lebens- und Arbeitsraum vieler Menschen sein, wäre eine Landwirtschaft in Strukturen möglich, die der Verbraucher sich wünscht. Die Agrarminister sind, wie von vielen erwartet, auf ihrem Weg der Marktliberalisierung geblieben. Sie wollen, so geht aus einem Schreiben des deutschen Landwirtschaftministeriums hervor, dass Verbrauchermilchpreise möglichst niedrig bleiben und der Strukturwandel nicht gebremst wird. Gut verständlich, dass viele Milchbauern diese Ignoranz wütend macht. Zu sehen auch mitten in Brüssel, wo Strohfeuer loderten, Eier flogen und Autoreifen brannten.

08.09.2015
Von: mn

Faironikas in Brüssel vor dem Kommissionsgebäude

Über 2.000 Traktoren aus verschiedenen Ländern

Autoreifen und Strohfeuer verdeutlichten die angespannte Lage der Betriebe

Dateien:
Marktverantwortungsprogramm_DE.pdf504 Ki