Diese Politik gipfelt im Preistief

AbL trägt Schuldzuweisung an Verbraucher, Einzelhandel und Bauern nicht mit

Zu dem von Bundesminister Christian Schmidt einberufenen „Lebensmittelgipfel“ warnt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) davor, die Schuld für das lang anhaltende Tief der Milch- und Schweinepreise bei Verbrauchern, Einzelhandel und Bauern abzuladen.

Die AbL-Vorsitzende Gertraud Gafus kommentiert: „Die anhaltenden katastrophalen Erzeugerpreise für Milch und Schweine sind untrennbar mit der Exportstrategie der deutschen und europäischen Milch- und Schlachtindustrie verbunden. Den Ausbau ihrer Marktanteile in Asien, Afrika und Amerika finanzieren sie dadurch, dass sie den hiesigen Bauern für Milch und Schlachtschweine Preise weit unterhalb der Kosten auf den Höfen auszahlen. Für uns Bauern, für die Umwelt und die Nutztiere ist das eine verhängnisvolle Ausrichtung.“

Die Handelsketten des Lebensmittelhandels seien sicher keine Musterknaben in Sachen fairer Preise. Aber das ständige Mengenwachstum in der Landwirtschaft mache es den Ketten leicht, bei Massenwaren auf sinkende Preise zu setzen. „Es sind die Molkereien, und ganz besonders die größeren Genossenschaften, die sich angesichts der Übermengen bei den Handelsketten regelmäßig unterbieten. Auch im Fleischbereich kennen wir das. Wir müssen auch deshalb dringend wegkommen von der Ideologie des ewigen Mengenwachstums in der Landwirtschaft“, erläutert die AbL-Vorsitzende Gertraud Gafus, Bäuerin in Oberbayern. Das erfordere eine andere Politik auf Bundes- und EU-Ebene. Auch ein grundlegendes Umdenken in der landwirtschaftlichen Ausbildung und Wissenschaft sei notwendig. Die Lebensmittelindustrie habe es außerdem in der Hand, ob sie statt der in Europa erzeugten Milch importiertes Palmöl verwende, um die Lebensmittel noch billiger zu machen, so Gafus, und weiter: „Wir importieren billiges Palmöl, um dann die eingesparte Milch wiederum billig auf dem Weltmarkt zu verschleudern. Das alles passiert auf dem Rücken der Bauern weltweit.“

Bundesminister Christian Schmidt wird von der AbL aufgefordert, nicht länger „einseitig die Interessen der exportorientierten Ernährungsindustrie durchzusetzen“. Der stellvertretende AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann fordert: „Bundesminister Schmidt muss über seinen Schatten springen und auf EU-Ebene aktiv für Notmaßnahmen zur gezielten Verringerung der Milchmenge eintreten. Die Milchmenge in der EU und auch in Deutschland steigt Monat für Monat, obwohl kein kaufkräftiger Markt dafür vorhanden ist. Das raubt den Milchviehbetrieben tagtäglich wirtschaftliche Substanz. Der Bundesminister muss hier Verantwortung wahrnehmen und auf die Vorschläge von Milchbauern und auch aus den Bundesländern eingehen“, drängt Ilchmann. „Für ideologische Diskussionen über das Verhältnis von Markt und Politik ist jetzt nicht die Zeit. Die Notlage erfordert aktives Handeln, auch von der Politik“, mahnt der Milchbauer aus Ostfriesland.

03.12.2015
Von: Pressemitteilung