Amtschefkonferenz muss Milchmarktkrise angehen

AbL bittet Staatssekretäre von Bund und Ländern um wirksame Notmaßnahmen. Milchindustrie-Verband disqualifiziert sich mit Äußerungen selbst

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) bittet die Amtschefs der Landwirtschaftsministerien von Bund und Ländern, bei ihrer Sitzung vom kommenden Dienstag (08.12.2015) einen gemeinsamen Vorstoß zur Reduzierung des Überangebots an Milch in der Europäischen Union zu vereinbaren. „In der gesamten Fachwelt bestreitet niemand mehr, dass die anhaltend verlustbringenden Milcherzeugerpreise Ergebnis des steigenden Angebots an Milch im Zusammenwirken mit einer abnehmenden kaufkräftigen Nachfrage sind. Daraus müssen wir Konsequenzen ziehen“, fordert der stellvertretende AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann. Der Milchbauer aus Ostfriesland bezieht sich dabei auch auf den Runden Tisch Milch von Bund, Ländern und Verbänden (09.11.2015) und die Sitzung der hiervon einberufenen Arbeitsgruppe (24.11.2015).

Konsequenzen ziehen könnten aber nicht die einzelnen Milcherzeuger, weil eine einzelbetriebliche Reduzierung der Milchmenge keine Wirkung entfalte, solange das nicht auf größerer Ebene koordiniert werde. Das zeige sich auch in den aktuellen Zahlen über die derzeit weiter steigende Anlieferung an die Molkereien in der EU und auch in Deutschland. Die EU-Kommission erwarte für das Jahr 2015 eine Erhöhung der EU-Menge um 1,1 Prozent nach der Rekordsteigerung um 4,6 Prozent im Vorjahr 2014.

„Wir brauchen einen politisch gesetzten Rahmen für eine gezielte kurzfristige Mengenreduzierung in der Milcherzeugung, damit die Molkereien schnellstmöglich wieder kostendeckende Preise auszahlen“, fordert Ilchmann.

Das bisher gerade auch von Seiten der Milchindustrie vorgebrachte Gegenargument, dass eine Mengenreduzierung auf EU-Seite nur zu mehr Milchimporten aus anderen Kontinenten in die EU führe, habe der Milchindustrieverband (MIV) gerade dankenswerter Weise selbst zurückgenommen, so Ilchmann. In einem Interview mit dem Fachmagazin „top agrar“ erläutere MIV-Geschäftsführer Eckhard Heuser den nach wie vor hohen bestehenden Außenschutz für Milchprodukte in der EU. Den wolle der Milchindustrieverband gegenüber dem im internationalen Handel größten EU-Konkurrenten Neuseeland behalten, wie Heuser gegenüber „top agrar“ ausführt.

Die Äußerung Heusers, dass ohne diesen Außenschutz „dann auch keine Selbstbeschränkungsprogramme der deutschen Milcherzeuger mehr“ helfen würden, wertet die AbL als ein Zeichen des Milchindustrieverbandes, sich angesichts wachsender Lagerbestände und eines weiter bestehenden EU-Außenschutzes nicht mehr länger gegen mengenreduzierende Maßnahmen auf EU-Ebene zu stemmen. „Wenn das so gemeint ist, dann hätten die ansonsten erschreckenden Äußerungen des MIV-Geschäftsführers noch etwas positives“, ergänzt Ilchmann. Der stellvertretende AbL-Vorsitzende kritisiert: „In dem Interview spricht sich Herr Heuser gleichzeitig für und gegen Freihandelsabkommen der EU mit anderen Staaten aus, je nachdem, ob die deutsche Milchindustrie für sich Vor- oder Nachteile erwartet. Es geht ihr allein um ihr Geschäft“, so wertet Ilchmann.

04.12.2015
Von: Pressemitteilung