FrieslandCampina tritt auf die Bremse

AbL begrüßt Bonus an Milchviehbetriebe bei Verzicht auf Mengenwachstum

Einer der größten europäischen Molkereikonzerne, FrieslandCampina mit Hauptsitz in den Niederlanden, reagiert auf stark steigende Milchmengen seiner Genossenschaftsmitglieder. Er führt kurzfristig eine befristete Bonuszahlung an Milchviehbetriebe ein, die ihre Milchanlieferung nicht weiter erhöhen, sondern konstant halten oder reduzieren. Einen entsprechenden Beschluss des Vorstands hat FrieslandCampina heute den Mitgliedsbetrieben auch in Deutschland mitgeteilt.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßt den Beschluss: „Dieser Schritt zeigt, dass ein aktives Handeln in dem übervollen Milchmarkt möglich und angezeigt ist“, sagte der stellvertretende AbL-Vorsitzender Ottmar Ilchmann. Auch wenn FrieslandCampina damit nicht von seiner grundsätzlichen Ausrichtung auf Mengenwachstum abrücke, sei das Vorgehen doch ein wichtiges Signal an alle Marktbeteiligten und auch an Bundesagrarminister Christian Schmidt: „Erstens ist ein mengensteuerndes Handeln im Milchmarkt möglich. Zweitens ist die Lage am Milchmarkt offensichtlich so ernst, dass ein solches Handeln notwendig ist. Und drittens zeigt FrieslandCampina, dass die Molkereien über die erforderlichen technischen Instrumente verfügen, um mengenreduzierende Maßnahmen umzusetzen“, ergänzte Ilchmann.

Die AbL fordert auch die deutschen Molkereien, insbesondere auch das Deutsche Milchkontor (DMK) als die größte deutsche Molkereigenossenschaft auf, ähnliche mengenbegrenzende Beschlüsse wie FrieslandCampina zu fassen. Die AbL verweist darauf, dass sie die Molkereien bereits vor knapp einem Jahr dazu aufgerufen habe, ein Bonus-Malus-System als Anreiz zum Stopp der Mengenausdehnung einzuführen. „Politik und Molkereien müssen ihrer Verantwortung nachkommen, damit wir so schnell wie möglich aus den katastrophalen Milchpreisen herauskommen. Wir Bauern sind dazu bereit“, so Ilchmann.

Hintergrund-Information:

Nach Angaben von FrieslandCampina haben deren Milchlieferanten im November- Dezember 2015 zusammen 14 Prozent mehr Milch angeliefert als im gleichen Zeitraum 2014. Bezogen auf das ganze Jahr 2015 lag die Mengensteigerung bei 6,4 Prozent.

Der Vorstandsbeschluss von FrieslandCampina sieht vor, dass Betriebe einen Preisaufschlag von 2 Cent/kg Milch bekommen, wenn sie im Zeitraum vom 01.01.2016 bis 11.02.2016 ihre Milchmenge wenigstens konstant halten oder reduzieren, und zwar im Vergleich zur durchschnittlichen Tageslieferung im Vergleichszeitraum 13.-27.12.2015.

Maßgeblich ist die Milchanlieferung jeweils in einem Zeitraum von 6 Tagen: Wird in einem solchen Zeitraum von 6 Tagen nicht mehr Milch geliefert als im entsprechenden Vergleichszeitraum, dann wird für diese 6 Tage der Bonus auf die gelieferte Menge gezahlt. Insgesamt liegen zwischen dem 01.01.2016 und dem 11.02.2016 sieben 6-Tageszeiträume.
FrieslandCampina rechnet damit, dass ab Mitte Februar weitere eigene Verarbeitungskapazitäten fertiggestellt sind, die dann mehr Milch verarbeiten können.

 

28.12.2015
Von: Pressemeldung