Mengenvernunft und Qualitätsstrategie

Marktpartner müssen jetzt Verantwortung übernehmen

Hamm/Hardehausen, 08. März       Auf der gestrigen bundesweiten Milchtagung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Domäne Frankenhausen – Versuchsbetrieb der Universität Kassel und der Katholischen Landjugendbewegung Deutschland (KLJB) sagte Ottmar Ilchmann, stellvertretender AbL-Bundesvorsitzender: „Die Situation auf den Milchbetrieben ist katastrophal und die Milchkrise wird noch lange andauern, deshalb müssen die Marktpartner jetzt handeln und Verantwortung übernehmen.“ Ilchmann schlug vor, dass als erstes kurzfristig Milchmenge vom Markt genommen werden müsse. Dafür müssten, nach dem Vorbild des FrieslandCampina Modells, die großen Molkereien voran gehen und ihren Lieferanten einen Bonus zahlen, wenn sie ihre Menge gegenüber einem Vergleichszeitraum nicht ausdehnen oder gar reduzieren. Als zweiter Schritt sei es notwendig, ein europweites Kriseninstrument zur Mengensteuerung einzuführen nach den Vorschlägen des European Milkboards (EMB), um künftigen Krisen vorbeugen zu können. Als drittes nannte er die Bündelung der Bauern in Milcherzeugergemeinschaften wie der MEG Milch Board, die vor der Ablieferung der Milch Lieferverträge über Menge, Qualität und Preis der Milch aushandeln könnten. 

Johannes Remmel, Landwirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen sagte, für einen zukunftsfähigen Milchmarkt bedürfe es einer Mengensteuerung, um mit den Marktpartnern die Menge zu regulieren. Das Modell von FrieslandCampina, dass die grünen Landwirtschaftsminister der Bundesländer ebenfalls fordern inklusive einer zusätzlichen staatlichen Unterstützung, bezeichnete der Minister als Signal für die Politik und den Markt. Auch Frankreich präferiere eine Mengensteuerung, um „Marktmacht herzustellen, wo Marktmacht fehlt“.

Sehr aufmerksam haben die TeilnehmerInnen der gut besuchten Milchtagung zugehört, als Ernst Berbecker, FrieslandCampina Distrikt-Vorsitzender Westfalen und Hessen berichtete, dass sich seine Teilnahme als Landwirt an der kurzfristigen Mengenreduzierung seiner Molkerei „wirtschaftlich gelohnt“ habe.

Auf der Tagung wurden außerdem die Themen: Biomilch - ein stetig wachsender Markt, Weide- und Heumilch als Verkaufsargument, Tierschutz in der Milchviehhaltung sowie Milch und Milchprodukte - Bedeutung der Art der Erzeugung für die menschliche Ernährung von verschiedenen Fachreferenten vorgetragen und rege diskutiert.

08.03.2016
Von: Pressemitteilung