Brief von Meine Landwirtschaft an Julia Klöckner

Sehr geehrte Frau Ministerin,

Ende August laden Sie zum informellen Rat der EU-Agrarminister*innen nach Koblenz ein. Dort diskutieren Sie die aktuelle Lage der europäischen Landwirtschaft, die Reform der Agrar- und Förderpolitik (GAP), den Ausbau von Tierwohlmaßnahmen und die Umsetzung der Farm-to-Fork-Strategie. Aus diesem Anlass versammeln sich in Koblenz Bürger*innen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft − stellvertretend für viele Menschen in ganz Europa − und fordern den konsequenten Umbau von Landwirtschaft und Nutztierhaltung. Sie demonstrieren für mehr Insekten-, Klima- und Tierschutz, gesunde und nachhaltige Ernährung und mehr Unterstützung für eine bäuerliche, ökologischere und sozialverträgliche Lebensmittelproduktion.

Über 400 Organisationen aus zwölf Mitgliedsstaaten wenden sich an Agrarminister*innen

Über 400 zivilgesellschaftliche Organisationen aus zwölf Mitgliedsstaaten wenden sich in diesem Kontext in einem Offenen Brief an Sie und Ihre Kolleg*innen im Rat. Dieser Brief ist diesem Schreiben beigefügt und wird am Donnerstag auch der Presse übermittelt.Die bisher im Rat diskutierten Reformansätze für die Gemeinsame Agrarpolitik sind nicht ausreichend, um zeitnah und zielorientiert den Umbau der Landwirtschaft zu mehr Umwelt-, Tier- und Klimaschutz zu gestalten.

Höfesterben beenden

Wir müssen das Höfesterben beenden und brauchen resiliente, vielfältige und klimagerechte Produktionsweisen, lebendige Dörfer und Landschaften sowie regionale und nachhaltige Produktions- und Lieferketten. Deshalb fordern wir eine EU-Agrarpolitik, die bäuerliche und agrarökologische Anbau- und Tierhaltungsmethoden fördert.Es ist höchste Zeit, die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu stoppen - auch im Agrarsektor. Wir erwarten von Ihnen, dass Sie Mehrheiten für eine Ordnungs- und Förderpolitik im Rat schaffen, die den Zielen der Klima- und Artenschutzkonventionen, des European Green Deals, der Farm-to-Fork- und Biodiversitäts-Strategie und den "bee guidance" in ihrer ursprünglichen Fassung von 2013 gerecht werden.Wir bedauern, dass Ihr Ministerium sich nicht für eine aktive Einbindung der zivilgesellschaftlichen Akteur*innen im Rahmenprogramm des informellen Rates entschieden hat. Andere Ratspräsidentschaften haben das bereits vorbildlich vorgelebt. Wir begrüßen jedoch die Einladung für ein Treffen am Sonntag, die einige unserer Bündnismitglieder nun kurzfristig erhalten haben und nehmen diese gerne an. Es gibt ein großes Interesse der europäischen Zivilgesellschaft, in die Diskussion zur EU-Agrarpolitik eingebunden zu werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Saskia RichartzSprecherin des "Wir haben es satt!"-Bündnisses, als Teil der europäischen "Good Food Good Farming"-Kampagne

Georg Janßen Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V., als Mitgründer der Europäische Koordination Via Campesina

Christian RehmerLeiter Agrarpolitik des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. und Koordinator der Agrarplattform und Teil des "Friends of the Earth"-Netzwerkes

Moritz TappSprecher der BUNDjugend und Koordinator des Mahnwache-Camp in Koblenz

Annette Seehaus-Arnold Präsidentin des deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbunds e.V., als Teil des Europäischen Berufsimker-Bund

Lasse van AkenKampagnensprecher Agrarwende, Greenpeace e.V.

Tobias ReichertTeamleiter Welternährung, Landnutzung und Handel, Germanwatch e.V.

Im Namen von weiteren Vertreter*innen des "Wir haben es satt!"-Bündnisses

27.08.2020