Neues Bündnis fordert: Bauernhof in Hamburg muss bleiben

Aktion vor dem Hamburger Rathaus mit Bauernfamilie Jaacks und Kuh. Gemeinsamer Aufruf an die Bürgermeister Peter Tschentscher und Katharina Fegebank überreicht

Kurz vor Beginn der Hamburger Senatssitzung hat das neue Bündnis zum Erhalt des Hamburger Milchbetriebs der Familie Jaacks vor dem Rathaus eine Aktion durchgeführt. Mit Kuh und Trecker der Bauernfamilie Jaacks aus Hamburg-Rissen und VertreterInnen des Bündnisses wurde der Aufruf an die beiden Bürgermeister überreicht, der von René Alfeis, Leiter des Bürgerbüros des Ersten Bürgermeisters, entgegengenommen wurde.

Das neue Bündnis protestiert gegen die Entscheidung der Wirtschaftsbehörde. Sie hat aufgrund eines landwirtschaftlichen Konzeptes ein Immobilienmaklerpaar gleichgestellt mit dem Milchbetrieb der Familie Jaacks, die seit mehreren Generationen Landwirtschaft betreibt und den gesamten Betrieb verlieren soll. Deshalb fordert das Bündnis in dem gemeinsamen Aufruf die Politik in Hamburg auf, sich für den Erhalt dieses Hofes einzusetzen und damit ein deutliches Signal für ein agrarpolitisches und gesellschaftliches Umdenken zu setzen. Die Entscheidung der Wirtschaftsbehörde muss rückgängig gemacht werden. Zudem fordert das Bündnis eine wirksame Bodenmarktpolitik, die Bäuerinnen und Bauern vor Investoren schützt.

Der gemeinsame Aufruf wird unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Agrar Koordination, Aktion Agrar, Attac Bergedorf und Hamburg, dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Ernährungsrat Hamburg, FIAN Deutschland, Slow Food Hamburg und Deutschland.

Wir halten das passive Verhalten der Hamburger Politik für fahrlässig und haben Klage vor dem Hamburger Verwaltungsgericht gegen die Entscheidung der Wirtschaftsbehörde eingelegt“, sagt Hauke Jaacks, Milchbauer der seinen Hof verlieren soll.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft unterstützt die Klage der Familie Jaacks, denn das wird aus unserer Sicht ein bundesweiter Präzedenzfall, wie künftig außerlandwirtschaftliche Investoren auf Grundlage eines landwirtschaftlichen Konzeptes für einen geplanten Pferdehof den Bauernfamilien das Land weg kaufen können. Das wollen und müssen wir verhindern“, sagt Berit Thomsen, Landesgeschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. in Hamburg.

In Ostdeutschland hat kürzlich die Aldi-Stiftung mehrere tausend Hektar Land gekauft. Die stark angespannte Situation auf dem Bodenmarkt verschärft sich bundesweit. Es gibt schon Landkreise in Deutschland, in denen die Hälfte der Flächen und der Betriebe in die Hände außerlandwirtschaftlichen Kapitals gelandet sind. Das ist nicht nur ein Verstoß gegen das Grundstücksverkehrsgesetz. Es ist auch ein Einfallstor für den Ausverkauf der Landwirtschaft. Zeit, endlich zu handeln! “, sagt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der AbL e.V..

22.09.2020

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