EFSA-Stellungnahme zu Gentechnik-Risiken irreführend

Ende November hat die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) eine Bewertung zu den neuen Gentechnikverfahren wie CRISPR & Co herausgegeben. Hintergrund war zu ermitteln, ob die bestehenden Leitlinien zur Risikobewertung von Lebens- und Futtermitteln sowie Umweltrisiken von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auch für die neuen Gentechniken ausreichend seien. Dabei verglich die Behörde Gefahren, die von Veränderungen weniger Basenpaare (sog. SDN-1 und SDN-2-Veränderungen) mit Gefahren, die durch den Einbau von Fremdgenen entstehen können. Die EFSA stellt in ihrer Bewertung keine neuen Gefahren fest, die durch SDN-1 und SDN-2 Veränderungen an Pflanzen entstehen könnten. Deshalb seien die bisherigen Leitlinien ausreichend. Allerdings sei die Menge der Anforderungen an Daten zur Risikoabschätzung nicht relevant. Damit könnte die EFSA eine Tür öffnen, unterschiedliche Risikobewertungsanforderungen an neue Gentechnik-Pflanzen zu stellen. Das ist aus Sicht der gentechnikfreien Lebensmittelerzeugung und der möglichen Umweltauswirkungen leichtfertig und nicht tolerabel. Eine Stellungnahme von Testbiotech unterstreicht dies. SDN-1 und SDN-2-Verfahren (SDN = site directed nucleases) sind die derzeit am meisten angewendeten Verfahren der neuen Gentechnik bei Pflanzen. Diese können mehrfach hintereinander oder in Kombination eingesetzt werden. Mit den Risiken solch komplexer genetischer Veränderungen befasst sich die Stellungnahme der EFSA überhaupt nicht, wie sie selber in der Studie bestätigt. Deshalb bedarf es erstmal einer umfassenden Risikoanalyse und Bewertung aller möglichen Veränderungen durch die neuen Gentechnikverfahren. EU-Mitgliedstaaten und das Parlament müssen dies nun einfordern.

14.12.2020
Von: Nachrichtenbrief Bauernstimme av