Raiffeisenverband lässt Bauern in nächsten Skandal laufen

Gentechnik gehört nicht in die Milch. Gentechnikfreie Futtermittel in den Trog

„Der Deutsche Raiffeisenverband hat aus dem Dioxin-Skandal nichts gelernt. Anstatt vorwärts zu denken und seine Mitglieder kritisch aufzuklären, spielt der Raiffeisenverband zu erwartende Funde von Gen-Abschnitten aus gentechnisch veränderten Futtermittel in Milch herunter und treibt damit die Bauern in die nächste Skandalfalle“, so Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. Janßen bezieht sich auf ein aktuelles Rundschreiben des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). Darin schreibt der DRV, dass „aufgrund der fortschreitenden Sensitivität der Analysemethoden... damit gerechnet“ werden sollte, dass in Zukunft  gentechnisch veränderte DNA aus Futterpflanzen in der Milch von Kühen nachgewiesen werden könne.

Der Raiffeisenverband bezieht sich dabei auf eine Stellungnahme des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) zum Gentransfer aus Futterpflanzen auf höhere Tiere. Das BfR bestätige Studienergebnisse, „denen zufolge DNA-Fragmente aus gentechnisch veränderten Sojabohnen in der Milch von Mäusen nachgewiesen wurden“, schreibt der DRV.

Die Schlussfolgerung des DRV ist rückwärts gewandt. Denn er empfiehlt den Unternehmen der Lebens- und Futtermittelwirtschaft dringend, „im Rahmen ihrer Kommunikationsarbeit zur Gentechnik bzw. zur Verwendung gentechnisch veränderter Futtermittel den bislang fehlenden Nachweis des Übergang gentechnisch veränderter Bestandteile aus Futterpflanzen in Milch nicht zum zentralen Bestandteil ihrer Argumentation zu machen. Der Nachweis gentechnisch veränderter Pflanzen-DNA in Kuhmilch würde weder deren Qualität und Sicherheit beeinflussen, noch die Gentechnik-Kennzeichnungspflicht auslösen.“

Die AbL kritisiert das Verhalten des DRV. „Der Raiffeisenverband rechnet damit, dass bald Gentechnik-Konstrukte in Milch gefunden werden, wenn Kühe mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert werden. Die logische Konsequenz müsste sein, die Fütterung schnellstens auf gentechnikfreie Futtermittel umzustellen. Doch weil Raiffeisen-Genossenschaften weiter stark am Verkauf von Gentechnik-Soja verdienen wollen, rät der Verband: weiter füttern aber
anders kommunizieren und nicht mehr behaupten, dass vom Futter keine Gentechnik-Konstrukte in der Milch landen. Der Verband stellt kurzfristige Interessen der Gentechnik und Futtermittelindustrie über die mittel- und langfristigen ökonomischen Interessen der Milchbauern und der Molkereien. Das ist unverantwortlich“, so Janßen.

„Das Gebot der Stunde im Sinne des Vorsorgeprinzips ist, klipp und klar auf die
gentechnikfreie Fütterung zu setzen. 60% des EU-Bedarfes an Soja kann alleine aus Brasilien in gentechnikfreier Qualität geliefert werden. Deshalb fordert die AbL Bäuerinnen und Bauern auf, gentechnikfreie Ware anzufordern. Raiffeisen fordern wir auf, ihr Angebot endlich flächendeckend auf GVO-freie Ware umzustellen. Das wäre die angebrachte Vorwärtsstrategie. Der Gesetzgeber bleibt außerdem gefordert, die EUKennzeichnungslücke bei Milch, Eiern und Fleisch von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert worden sind, zu schließen und so eine echte Transparenz für Verbraucher und Marktbeteiligte herzustellen.“