BMEL muss Molkereien eine Ko-Finanzierung abringen: Mit weniger Milch für bessere Preise

AbL: Steuerzahler dürfen nicht allein für Lösung der Milchmarktkrise aufkommen

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) erwartet vom Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Christian Schmidt, dass er den Molkereien einen mindestens so hohen Beitrag zur Finanzierung der Krisenbekämpfung abverlangt wie von EU, Bund und Ländern jetzt geleistet wird.

„Wenn sich Bundesminister Schmidt heute mit den Chefs einiger Molkereien und deren Verbänden trifft, muss mehr rauskommen als die Gründung eines Arbeitskreises mit dem Titel ‚Branchenorganisation‘. Der Minister muss dafür sorgen, dass nicht allein die Steuerzahler für Anreize zur Mengendisziplin zahlen, sondern mindestens in gleichem Umfang auch die Molkereien solche befristeten Anreize einführen“, fordert Ottmar Ilchmann, stellvertretender Vorsitzender der AbL und Milchbauer in Ostfriesland.

Den Molkereien wirft die AbL vor, bisher nicht zur Lösung der Milchmarktkrise beizutragen. „Das Preisrisiko am Milchmarkt tragen die Milchbauern. Ganz besonders die so genannten Leuchtturmmolkereien zahlen den Bauern unverschämt wenig für die kostbare Milch. Sie halten sich an uns Bauern schadlos“, beschreibt Ilchmann die Situation in der nun schon über zwei Jahre andauernden Milchmarktkrise. „Während jetzt die EU und der Bund Prämien an diejenigen Betriebe zahlen, die ihre Milchmenge reduzieren oder mindestens nicht ausdehnen, halten die Molkereien wiederum still, als hätten sie mit den Überschüssen am Markt und den für Tausende Höfe existenzbedrohlichen Milchpreisen nichts zu tun. Das ist unverantwortlich. Bundesminister Schmidt muss hier gemeinsam mit uns Milcherzeugern die Molkereien in die Pflicht nehmen“, erklärt der AbL-Milchvorstand.

Gerade jetzt, wo anziehende Notierungen für Milcherzeugnisse zu dem „dringend notwendigen starken Anheben der Auszahlungspreise für die Bauern“ führen könnten, müsse alles unternommen werden, um diese mögliche positive Preiswende zu verstärken. „Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass es nicht erneut zu einer starken Mengenausdehnung kommt. Das ist Aufgabe nicht nur der Politik, sondern ganz besonders auch der Molkereien und der Milchbauern selbst. Dazu sollten die Molkereien jetzt ebenfalls einen Bonus für Mengendisziplin einführen.“ Die Betriebe könnten u.a. über den reduzierten Kraftfuttereinsatz die Milchmenge steuern.

„Eine Branchenorganisation für eine allgemeine Milchwerbung braucht dagegen niemand. Sie kostet wiederum nur Bauerngeld. Das hat schon die 2009 gescheiterte Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft CMA gezeigt. Die hat sich über Jahre hinweg aus verfassungswidrigen Pflichtbeiträgen der Bauern finanzieren lassen. Damals haben Bauernverband und Milchindustrie die CMA gegen die Klage eines aufrichtigen Bauern vor dem Bundesverfassungsgericht verteidigt und sind grandios gescheitert. Das sollte Warnung genug sein“, mahnt Ilchmann.

15.09.2016
Von: Pressemitteilung