Für Milch mit bäuerlichen Qualitäten

Wo liegt in der derzeitigen Krise die Perspektive?

Glückliche Bauern als programmatischen Anspruch eines konventionellen Milcherzeugungsprogramms zu formulieren und das dann auch noch mit den Ansprüchen glückliche Kühe und glückliche Umwelt zu kombinieren, erscheint in diesen Tagen fast abenteuerlich. Das traut sich die niederländische Molkerei Beemster mit ihrem Caring-Dairy-Programm. Die meisten Milchbauern in Deutschland sind gerade alles andere als glücklich. „Sie sind sauer auf Aldi, weil die die Preissenkung durchgedrückt haben, obwohl es nicht zur Menge passt“, sagt der niedersächsische Milchbauer Jörn Mahnke, „und sie fühlen sich von den Genossenschaften schlecht vertreten, weil die sich nicht gegen den LEH durchsetzen.“ Eine Strategie sei nun, mehr Milch aus dem Grundfutter zu ermelken und zu hoffen, dass auch wieder bessere Zeiten kämen. Der Markt solle es regeln, wünscht sich der Bauernverband. 28 Cent zahlen die konventionellen Molkereien im Norden. Selbst schuld seien die Bauern an den niedrigen Preisen, mussten sie sich zur besten Sendezeit im Fernsehen von Schinkenproduzent Jürgen Abraham sagen lassen, schließlich ließen sich doch ihre Vertreter in ihren Genossenschaften auf diese Konditionen ein. Bauern als die Lemminge, die dem Markt hinterher aufstocken, Kosten drücken und doch nicht auf den grünen Zweig kommen? Wo liegen die besseren Perspektiven?

Faire Preise

„Lebensmittel müssen einen Preis haben, von dem Bauern leben können“, sagt Josef Jacobi, Bio-Milchbauer und Vorstand der Upländer Bauernmolkerei. Die zahlt ihren Biomilchbauern 46,6 Cent und hat nach dem Ende der begrenzenden Quote gerade drei Neueinsteiger in die Milchviehhaltung aufgenommen. Biomilch ist nach wie vor gefragt und die Erzeugerpreise sind auf alle Fälle bei den Upländern, wie sie sein sollten – auskömmlich. Hinzu kommt die Debatte um die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierhaltung. Zwar steht die Milchviehhaltung bei den meisten Menschen besser da als Vollspaltenschweinebuchten und von Antibiotika umwehte Masthähnchen, aber auch nur deshalb, weil die meisten Leute an Weidehaltung glauben. Das ist zwar nicht ganz so unzutreffend wie der Glaube an den Weihnachtsmann, aber fast. Der Trend in der Milchviehhaltung geht seit Jahren weg von der Weide, auch begründet durch das einzelbetriebliche Wachstum, denn je mehr Kühe auf einem Betrieb gehalten werden, umso schwieriger wird rein praktisch ein effektiver Zugang zu Weide. Hinzu kommt, dass Weidehaltung etwas Unmodernes anhaftet, Beratung und Wissenschaft haben sich eher damit auseinander gesetzt, wie man Stallhaltungssysteme optimiert, weil dort sämtliche Produktionsfaktoren, vor allem aber das Futter, exakt kontrollierbar vorgehalten werden können. Außerdem, so schreibt Kommentatorin und Milchbäuerin Kirsten Wosnitza im Internet, sei Weidehaltung für die landwirtschaftlichen Wirtschaftspartner deutlich unattraktiver als der „leicht zu industrialisierende“ Mais- oder Ackergrasanbau. Für erfolgreichen Weidegang brauche es „bäuerliche“ Qualitäten und Handlungen. Das liege nicht im Interesse derer, die an der Landwirtschaft verdienten. Das Land Niedersachsen hat gerade über 300.000 Euro an Forschungseinrichtungen gegeben, um die Kriterien und Erfordernisse eines Weidemilchprogramms auszuloten. Unter den Molkereien gibt es bislang eher wenig Bereitschaft, Weidemilch durch Preisaufschläge zu honorieren. Größer sind die Befürchtungen, die Genossen damit auseinander zu dividieren.

Zufriedene Bauern

Es lohnt der Blick nach Holland. Dort gibt es ein Weidemilch-Programm, das aus einer Stiftung, an der auch die Friesland/Campina-Molkerei beteiligt ist, bis zu zwei Cent mehr pro Liter an Bauern und Bäuerinnen auszahlt, die ihren Kühen an 120 Tagen im Jahr mindestens sechs Stunden täglich Weidegang gewähren. Und dann ist da auch noch die Molkereigenossenschaft Cono Kaasmakers der eingangs erwähnten Käserei Beemster, die mit dem Caring-Dairy-Programm wirbt. Rund 500 Milchviehbetriebe liefern 340 Millionen Liter Milch nach den vom Eishersteller Ben & Jerry’s entwickelten Nachhaltigkeitsleitlinien. Auch 120 Tage Weidegang, Soja aus einem unter bestimmten Kriterien zertifizierten Anbau und Schulungen für die Betriebe sollen Bauern, Kühe und Umwelt glücklich machen. Beemster zahlt den Bauern fünf Cent mehr pro Liter Milch zusätzlich zum Weidemilchaufschlag. Die Geschäfte laufen gut, Beemster könnte noch mehr Käse verkaufen. Zufriedene Bauern und Bäuerinnen referieren in Videoclips über ihre zufriedenen Kühe.

09.06.2015
Von: cs