AbL mahnt zu weltweit grundlegender Kehrtwende

Vorsitzende Gafus: „Aktuelle UN-Diskussion muss auch unser Agrarsystem ändern“

„Die Ergebnisse einer aktuellen Studie für die Vereinten Nationen sind alarmierend. Der weltweit eingeschlagene Weg der Industrialisierung der Landwirtschaft und Ausbeutung der Böden bedroht die Lebensgrundlagen der Weltbevölkerung. Wenn die Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit einen Umfang angenommen hat, der 10 bis 17 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht, sind alle dazu aufgerufen, dringend eine grundlegende Kehrtwende einzuleiten“, kommentiert Gertraud Gafus, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Diese Zahlen nennt die aktuelle Studie „Wert der Böden“, die für die Vereinten Nationen erstellt worden ist.

Die Studie des internationalen Forscherteams ELD-Initiative (siehe Hinweis unten) beziffert den weltweiten Schaden durch die Versiegelung von Böden und Auswirkungen nicht nachhaltiger Bewirtschaftungsmethoden, etwa durch Überdüngung und Überweidung, auf 6,3 bis 10,6 Billionen Dollar (ca. 5,6 bis 9,4 Billionen Euro) pro Jahr. Der fatale Umgang mit unseren Böden zerstört demnach nicht nur die landwirtschaftlichen Erträge und die Sicherstellung unserer Ernährung, sondern verstärkt auch andere negative Entwicklungen wie den Klimawandel. Laut der Autoren könnte die Entwertung der Flächen in den nächsten zehn Jahren weltweit zu 50 Millionen zusätzlichen Flüchtlingen führen – Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, weil der Boden sie nicht mehr ernährt. Die Studie wird heute auf einer UN-Konferenz in New York vorgestellt und diskutiert.

„Auch Europa und Deutschland sind betroffen und vor allem auch mit verantwortlich. Wir verlieren auch hier bei uns durch die Art und Weise der Flächennutzungen wertvolle Böden und Bodenfruchtbarkeit. Zudem sind mit unseren hohen Importen an Futtermitteln und Ölen massive Verschlechterungen in den Herkunftsländern unserer Importe verbunden“, führt die AbL-Vorsitzende Gafus aus. „Wir müssen auch bei uns dringend die notwendige Kehrtwende einleiten. Dass die Profiteure der heutigen Systeme das verhindern wollen liegt auf der Hand“, wie sich in der Meinung des Präsidenten des Deutschen Bauernverbands, Herrn Rukwied, zeige, dass es keine Agrarwende geben dürfe und geben werde. „Es steht zu viel auf dem Spiel. Die politisch Verantwortlichen, die Öffentlichkeit und wir Bauern und Bäuerinnen dürfen solche Äußerungen einfach nicht mehr hinnehmen“, meint Gafus.

Die AbL-Vorsitzende fordert agrarpolitische Weichenstellungen, mit denen einerseits die positiven Ökosystemleistungen von bäuerlichen Wirtschaftsweisen gezielt unterstützt werden. Zudem müssten negativ wirkende Nutzungsformen nicht länger noch gefördert, sondern unterbunden werden.

Zur Studie

24.09.2015
Von: Pressemitteilung