AbL wirft Molkerei DMK Irreführung vor

Milchmenge je DMK-Milcherzeuger sinkt nicht, sondern ist 8,7 Prozent höher als 2015. AbL fordert Mengenbremse statt Billigmilch für ALDI

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) wirft dem größten deutschen Molkereiunternehmen, dem Deutschen Milchkontor (DMK), „Irreführung“ von Öffentlichkeit und Politik sowie Preisdumping zulasten der eigenen Genossenschaftsmitglieder vor.

Während das DMK am 18. Mai in einer Pressemitteilung behauptet hat, dass die DMK-Milcherzeuger seit Anfang April 2016 um 4 % weniger Milch lieferten als im April 2015, beziffert die DMK-Genossenschaft in einem internen Rundbrief den Rückgang mit nur 0,6 %. Vor allem aber verschweige das DMK in seiner Pressemitteilung, dass es innerhalb nur eines Jahres, zwischen April 2015 und April 2016, insgesamt 726 Milchbauern als Lieferanten verloren habe (- 8,5 %), wie im internen DMK-Rundbrief nachzulesen sei. Um die tatsächliche Entwicklung der Milchmengen der DMK-Lieferanten zu betrachten, müsse dieser hohe Verlust an Milcherzeugern berücksichtigt werden, so die AbL. Im Ergebnis sei die durchschnittliche Milchmenge pro DMK-Lieferant aktuell um 8,7 % höher als im Vergleichsmonat April 2015. Diese Mengensteigerung der DMK-Lieferanten liege noch über derjenigen des Landes Niedersachsen/Bremen, das bundesweit die höchsten Steigerungsraten in der Milcherzeugung aufweist (6,2 % laut Zahlen der Bundesanstalt BLE).

„Das DMK ist angesichts der durchschnittlichen Mengensteigerung ihrer Milchlieferanten in der besonderen Verantwortung, endlich aktiv gegenzusteuern“, fordert Ottmar Ilchmann, stellvertretender Vorsitzender der AbL. „Das Überangebot an Milch hat zu den katastrophal niedrigen Milchpreisen geführt, die für uns Milchbauern Verlust mit jedem Liter Milch bedeuten. Wir erneuern unsere Forderung an die DMK-Spitze, jetzt kurzfristig einen befristeten Bonus für die Milcherzeuger einzuführen, die aus Verantwortung für die gesamte Branche ihre Milchmenge um ein paar Prozent drosseln“, führt Ilchmann aus. Mindestens müsse das DMK die Bereitschaft dazu erklären, einen solchen Bonus einzuführen, wenn auch andere Molkereien mitziehen. „Das DMK verarbeitet rund ein Viertel der deutschen Milch. Es muss seine Marktmacht nun für die Milchbauern nutzen. Wenn sich das DMK bewegt, bewegt sich die ganze Branche und auch der Bund“, erwartet llchmann.

Der stellvertretende AbL-Vorsitzende erinnert die DMK-Führung an ihren gesetzlichen Auftrag: „Der Vorstand der Genossenschaft hat zum Wohle aller Genossen zu handeln. Die Belieferung von Trinkmilch an ALDI für dessen Billigstangebote widerspricht diesem Auftrag.“ Laut DMK-Rundbrief erwirtschafte die Molkerei daraus einen Milchpreis, der noch unterhalb der 19-20 Cent Verwertung für die EU-Lagerhaltung von Magermilchpulver liege. „Wir wissen nicht, wie viele der ausgeschiedenen Milchbauern zu anderen, besser auszahlenden Molkereien gewechselt sind und wie viele ihre Milcherzeugung ganz aufgeben mussten. In jedem Fall sollte der Rekordverlust von 8,5 Prozent der Milchlieferanten innerhalb eines Jahres für Deutschlands größte Genossenschaft mehr als ein Weckruf sein. Wachstum auf Kosten der Milchbauern ist für eine Genossenschaft das Gegenteil von einem ‚funktionierenden Marktsystem‘, wie es der DMK-Vorstand bezeichnet hat“, mahnt Ilchmann.

23.05.2016
Von: Pressemeldung