Die EU-Richtlinie gegen "unfaire Handelspraktiken in der Lebensmittellieferkette" (UTP) soll, wie bereits im vergangenen Jahr angekündigt, überarbeitet werden. Eine der wichtigsten Prioritäten der Kommission besteht dabei laut der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung darin, die Position der Landwirte in der Lebensmittelkette zu stärken und sie vor unlauteren Handelspraktiken zu schützen, insbesondere um sicherzustellen, dass sie nicht gezwungen sind, ihre Erzeugnisse systematisch unter den Produktionskosten zu verkaufen. Mit einem Richtlinienentwurf, ursprünglich im dritten Quartal 2026 vorgesehen, wird aktuell Ende 2026/Anfang 2027 gerechnet.
Vor diesem Hintergrund hat die Organisation Fairtrade jetzt in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, unter anderem der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, dem Bischöflichen Hilfswerk Misereor und der Heinrich-Böll-Stiftung, eine Petition gestartet, mit der BundeslandwirtschaftsministerAlois Rainer und die Bundesregierung aufgefordert werden, verantwortungsvolle Handelsbedingungen für Landwirte und Landwirtinnen in Deutschland, der EU und im globalen Süden zu fördern.
Dazu erklärt Berit Thomsen, AbL-Referentin für Marktpolitik und Tierhaltung: "Wir unterstützen als AbL die Petition, um im Schulterschluss darauf aufmerksam zu machen, dass die Erzeugungskosten der Bauernhöfe in der Lieferkette nicht unterschritten werden dürfen. EU-Agrarkommissar Hansen hat angekündigt, im Herbst die UTP-Richtlinie, also die Richtlinie für Unlautere Handelspraktiken, überarbeiten zu wollen. Da wäre es möglich und notwendig, das Gebot der Kostendeckung als unzulässige Handelspraktik anzuwenden. Die UTP-Richtlinie umfasst internationale Lieferketten und wäre umso notwendiger, um soziale Fairness im Agrarhandel deutlich zu verbessern."
Die Petition lautet:
„Wir fordern Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer dazu auf, sich entschlossen dafür einzusetzen, dass die Zahlung fairer, kostendeckender Preise entlang der gesamten Lieferkette von allen Handelspartnern sichergestellt werden muss. Faire Preise bedeuten, dass sie die Kosten einer nachhaltigen Produktion decken und so existenzsichernde Einkommen und Investitionen ermöglichen. Die Zahlung von unfairen Preisen muss als unfaire Handelspraktik in die UTP-Richtlinie aufgenommen werden.
Begründung
Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland, Europa und weltweit müssen von ihrer Arbeit leben können! Doch unfaire Handelspraktiken und Preise gefährden die Zukunft der Landwirtschaft. Ob Getreide- und Milchbäuerinnen und -bauern in Deutschland oder Kakao- und Kaffeeproduzentinnen und -produzenten in Ghana und Brasilien – viele von ihnen können nicht von ihrer Arbeit leben. Sie können nicht in ihre Betriebe investieren, um nachhaltiger, produktiver und damit zukunftsfähig zu wirtschaften. Sie können Menschen, die auf ihren Höfen arbeiten, keine existenzsichernden Löhne zahlen.
Unfaire Preise gefährden Existenzen entlang lokaler und globaler Lieferketten.
Dieses Marktversagen darf nicht länger hingenommen werden. Es braucht einen gesetzlichen Rahmen, der Landwirtinnen und Landwirten faire Preise zusichert, welche die Kosten einer nachhaltigen Produktion decken. Mit der in diesem Jahr anstehenden Reform der europäischen Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (Unfair Trading Practices Regulation) besteht jetzt die Chance, ein wirksames Sicherheitsnetz für Bäuerinnen und Bauern zu schaffen – in Europa und weltweit.
Damit Landwirtschaft wieder Zukunft hat!
Nur mit fairen Einkommen lassen sich Höfe und Farmen zukunftsfest aufstellen. Die Landwirtschaft steht vor enormen Herausforderungen: Klimawandel, Verlust der Biodiversität und steigende Anforderungen an Qualität und Nachhaltigkeit erfordern hohe Investitionen – in Produktivitätssteigerung, ökologischen Landbau und Agrarökologie. Bleiben Veränderungen aus, setzt sich das Höfesterben ungebremst fort. In Deutschland hat sich die Zahl der Höfe innerhalb einer Generation halbiert! Und der Trend hält an. Damit verlieren wir das Rückgrat der Landwirtschaft – hierzulande wie weltweit.
Faire Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse sind eine Investition in die Zukunft: Sie sichern Vielfalt und Resilienz der Landwirtschaft und verringern das Risiko für Angebotsrückgänge und unsichere Lieferketten.“
Die Petition kann hier unterschrieben werden.



