Gentechnikfreiheit vor dem Aus?

Vorsorge statt Konzerninteressen - Recht auf gentechnikfreie Landwirtschaft sichern

Gentechnik braucht Regeln!

Die Gentechnikfreiheit für unser Saatgut und unsere Lebensmittelerzeugung ist in großer Gefahr! Am 17. Juni 2026 hat das Europaparlament und zuvor der EU-Rat einem in vielfacher Hinsicht inakzeptablen Gesetzesentwurf zu Neuen Gentechniken zugestimmt. Fast alle Neuen Gentechnik (NGT)-Pflanzen sollen nun komplett dereguliert werden! Das bedeutet die Abschaffung des Vorsorgeprinzips und des Verbraucherschutzes sowie die Abschaffung unserer Rechte und Möglichkeiten, auch in Zukunft gentechnikfrei zu erzeugen - für alle Akteure der Wertschöpfungskette - ökologisch und konventionell.

Für die AbL e.V. ist die Deregulierung neuer Gentechniken verantwortungslos, deshalb haben wir Widerstand und Selbsthilfe angekündigt (PM vom 17. Juni). Am 21. September haben wir - in einem breiten Bündnis eine Direktklage gegen die NGT-Verordnung eingelegt. Nahmhafte Betriebe und Unternehmen und Verbände sind dabei. Mehr dazu unter diesem (Link). 

Die nun beschlossene NGT-Verordnung sieht vor, dass über 90 Prozent der neuen Gentechnik-Pflanzen dereguliert werden sollen. Das betrifft NGT-Pflanzen der sogenannten Kategorie 1. Deregulierung heißt, dass wir Bäuer:innen keine Möglichkeiten mehr hätten, uns vor Kontaminationen zu schützen. Wir sollen nicht mehr erfahren dürfen, wo Gentechnik angebaut oder zu Versuchszwecken freigesetzt wird, da das sog. Standortregister wegfällt. Es soll auch keine Anbau- und Haftungsregeln mehr geben. Auch die verpflichtende Risikoprüfung, die verpflichtende Bereitsetllung von Nachweisverfahren und die Kennzeichnungspflicht am Endprodukt wird abgeschafft. Sämtliche Kosten, Lasten und Risiken werden damit einseitig dem gentechnikfreien Sektor aufgelastet. Nicht mit uns!

Deshalb haben wir uns von Anfang an gegen diesen fatalen Gesetzesentwurf gewehrt mit vielfältigem Protest, Öffentlichkeitsarbeit und Stellungnahmen. Zuletzt haben über 2.000 Bäuer:innen, Züchter:innen, Gärtner:innen, Verarbeitung und Handel einen Brief an das Europaparlament geschrieben, um die Verordnung zu stoppen (Link).

Das alles hat bisher nicht geholfen, aber die AbL e.V. wird sich mit diesem Ergebnis nicht abfinden. Wir fordern eine demokratische Auseinandersetzung über die Zukunft unserer Lebensgrundlagen und unserer Lebensmittelerzeugung ein. Wir werden deshalb alle politischen und rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, damit die Rechte von Bäuer:innen, Züchter:innen, Verarbeiter:innen und Verbraucher:innen auf gentechnikfreie Lebensmittelerzeugung wiederhergestellt werden. Und wir werden die Bäuer:innen und alle anderen Wirtschaftsbeteiligten unterstützen, die weiter gentechnikfrei wirtschaften wollen und werden dazu Selbsthilfemaßnahmen organisieren. 

Die Zukunft unserer Höfe braucht strikte Gentechnik-Regulierung nach bestehendem EU-Gentechnikrecht! 

Die Argumente der Gentechnik-Industrie kritisch hinterfragen

Aktuelle politische Hintergründe finden sich hier (Link)