Die heute veröffentlichte Erntebilanz 2026 des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zeigt aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ein alarmierendes Bild: Das Ministerium reagiert auf die außergewöhnliche Dürre mit ziellosen Liquiditätshilfen und der Stärkung der Hektarprämie. Eine Antwort auf die zugrundeliegende Krise bleibt völlig aus.
Während das BMLEH beim Waldumbau bereit ist, das Thema Klimaresilienz anzusprechen und hierfür zusätzliche Mittel einräumt, fehlt ein vergleichbarer Ansatz für die Landwirtschaft. Stattdessen wird Ernährungssicherheit als Argument vorgeschoben, um pauschale Geldverteilung zu rechtfertigen, die entweder mit erhöhten Flächenprämien zu spät und ineffizient ankommen wird oder in Form von Liquiditätshilfen wieder zurückgezahlt werden muss. Die Marktlage bietet allerdings keine verlässliche finanzielle Grundlage für die Tilgung der Kredite in Zukunft. Schon nächstes Jahr kann die nächste Dürre kommen. Für diese Situation ist das BMLEH aufgrund mangelnder politischer Ambition in Sachen Klimaschutz und Klimaanpassung der landwirtschaftlichen Produktionssysteme nicht vorbereitet.
Ottmar Ilchmann, agrarpolitischer Sprecher der AbL und Milchbauer aus Niedersachsen:
„Die Antwort des BMLEH auf die Situation diesen Sommer bereitet Sorgen. Ernährungssicherheit entsteht nicht durch kurzfristige Liquidität, sondern durch vielfältige, klimaresiliente und regional verankerte Landwirtschaft. Diese entsteht genau in jenen Betrieben, die durch die jetzigen Maßnahmen nicht gestärkt, sondern benachteiligt werden. Um Ernährungssicherheit geht es Bundesminister Rainer wohl nicht, sonst wäre er nicht auf dem Klimaauge völlig blind. Klimaschutz bleibt der wichtigste Pfad hin zum Schutz unserer Ernte. Dafür bräuchte es eine Strategie, doch diese liefert das BMLEH nicht mit. Beispielsweise hätte das Ministerium seine Pläne zur Streichung der Öko-Regelungen Weide und Biotopverbund überdenken können. Die Weidehaltungsprämie für Milchkühe zu verweigern und dann die tierhaltenden Betriebe alleine in der prallen Sonne stehen zu lassen, ist keine vorsorgende Landwirtschaftspolitik!“
Die AbL fordert daher eine klare politische Kurskorrektur: Krisenmaßnahmen müssen dort ankommen, wo sie tatsächlich gebraucht werden, und mit einer langfristigen Strategie verknüpft sein, die die Klimaresilienz der Landwirtschaft stärkt. Eine Politik, die mit Krisenreserven fossile Düngemittelindustrien stützt, schwächt genau jene Höfe, die Biodiversität und Klimaschutz tagtäglich leisten.



