Vorsorglich handeln und Milchkrise vermeiden

AbL fordert die AgrarministerInnen auf, sich für Freiwillige Mengendrosselung auf EU-Ebene einzusetzen und schlägt Instrumente vor

Heute veröffentlicht die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ihre neue Position zum äußerst angespannten Milchmarkt in der Corona-Pandemie und eine bäuerliche Videobotschaft. „Unsere Milchpreise sind auf Talfahrt“, sagt Elisabeth Waizenegger, Biomilchbäuerin im Allgäu und Milchsprecherin im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). „Auf dem Spotmarkt sank der Milchpreis bereits auf unter 30 Cent. Auch Molkereien haben Preise unter der 30-Cent Marke angekündigt. Das ist absolut kritisch für die bäuerliche Milchwirtschaft in Deutschland. Überhaupt nicht nachvollziehbar ist, dass die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner nur auf veraltete Instrumente wie die private Lagerhaltung setzt. Viel besser wäre es doch, die Überschüsse gar nicht erst zu produzieren, oder mindestens die private Lagerhaltung mit wirksamer Mengendisziplin in den Molkereien zu verbinden. Dafür müssen sich die Agrarminister stark machen.“

„Es wird deutlich, dass die Molkereien unterschiedlich betroffen sind. Einigen bricht der Absatzmarkt weg, etwa wenn sie die Gastronomie beliefert haben und sie fordern ihre Mitglieder teilweise von sich aus auf, weniger Milch zu liefern. Andere Molkereien können die Nachfrage im Einzelhandel kaum bedienen“, sagt Ottmar Ilchmann, konventioneller Milchbauer und AbL-Landesvorsitzender in Niedersachsen. „Die Molkereien können und müssen sich jetzt solidarisch verhalten, um die Milchkrise vorsorglich abzuwenden. Deshalb fordern wir von den Agrarministern die Einrichtung eines Fonds auf EU-Ebene, in den die Molkereien einzahlen. Aus diesem Fonds können die Molkereien, die Absatzprobleme haben, ihre Bäuerinnen und Bauern für Mengenreduzierung honorieren. In Frankreich wird aktuell für jeden Liter nicht gelieferte Milch 32 Cent bezahlt. Das ist ein Anreiz für die Bauernhöfe, die Menge zu drosseln.“

„Die Anzeichen für eine drohende Krise sind massiv, deshalb müssen umgehend auf EU-Ebene mengenwirksame Marktkriseninstrumente aktiviert werden, damit Bäuerinnen und Bauern ihre Milchmenge gegen Entschädigung reduzieren können. Damit kann verhindert werden, dass die Corona-Krise zu einer Milchbauer-Krise wird. Freiwillig, damit die individuellen Gegebenheiten auf den Milchviehbetrieben berücksichtigt werden“, sagt Kirsten Wosnitza, konventionelle Milchbäuerin in Schleswig-Holstein. „Intensivere Betriebe haben die Möglichkeit, in gewissem Umfang die Fütterung zurückzuführen und damit die betriebliche Milchmenge zu senken. Betriebe, die ihre Kühe hauptsächlich über Weidegras und mit weniger Kraftfutter füttern, sind weniger flexibel und können auf Maßnahmen wie die Kühe früher trocken stellen zurückgreifen. Die Agrarminister diskutieren am Freitag die Reform der EU-Agrarpolitik und die anstehende Milchkrise zeigt wieder einmal mehr, dass es auch in Zukunft ein starkes Kriseninstrument in der Marktordnung der EU-Agrarpolitik braucht, um einen Preisverfall für die Bauernhöfe vorsorglich und verantwortungsbewusst abzuwenden.“

06.05.2020

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