Armutserfahrene Menschen und Landwirt*innen stehen zusammen!

Gemeinsame Pressemitteilung zum Tag der Demokratie

Anlässlich des Tags der Demokratie am 15. September veröffentlicht die Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland einen Bericht über eine ungewöhnliche Tagung. In Anwesenheit von sechs Abgeordneten aus dem Bundestag von CDU, Grüne und Linke setzten sich Menschen mit Armutserfahrung dafür ein, dass Landwirt*innen von ihrer Arbeit gut leben können. Umgekehrt forderten Bäuer*innen politische Lösungen dafür, dass auch Menschen mit wenig Geld Zugang zu ihren hochwertigen Lebensmitteln haben müssen.

Der Ton der Tagung wurde gleich zu Beginn im Statement von Renate Antonie Krause, Mitglied der nationalen Armutskonferenz (nak), deutlich:

„Das alles ist doch furchtbar ungerecht. Die großen Konzerne im Lebensmittelsystem machen die Profite, während wir Armutserfahrene und die Menschen in der bäuerlichen Landwirtschaft ums tägliche Überleben kämpfen.“

Es gebe Methoden, wie diese Ungleichheiten aufrechterhalten werden, ergänzte Krause. Dazu zähle, dass die beiden Gruppen medial und politisch gegeneinander ausgespielt würden. Krause:

„Verbraucher*innen sollen sich über Bäuer*innen aufregen, die zu hohe Preise fordern. Und umgekehrt sollen Landwirt*innen schlecht auf Verbraucher*innen sprechen, die niedrige Preise für Lebensmittel fordern. Das nützt doch nur denjenigen, die uns für ihre Gewinne spalten wollen. Dass wir uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam Lösungsvorschläge entwickeln, ist dagegen nicht erwünscht. Heute machen wir Schluss mit diesem perfiden Spiel. Ab jetzt ziehen wir Menschen mit Armutserfahrung und Landwirt*innen an einem Strang!“

Landwirt und stellvertretender Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bernd Schmitz, bestätigte:

„Eigentlich sitzen wir Bäuer*innen und Menschen mit Armutserfahrung doch in einem Boot. Ich muss mir nur mal die Schätzungen für meine Rente anschauen. 560€ - das ist unterhalb der Regelsätze für die Grundsicherung. Und unter den wirtschaftlichen Bedingungen ist es mir auch nicht möglich, eine ergänzende Rücklage zu bilden. Spätestens hier kommen unsere beiden Gruppen zusammen. Wir brauchen daher dringend mehr Formate wie diese Tagung, wo wir gemeinsam mit der Politik Wege für die Zukunft finden können.“

FIANs Bericht verdeutlicht, dass die Politiker*innen diese Einschätzung teilen. Das Dokument offenbart auch Stellen, an denen sich politische Positionen überschneiden. Interessant ist hierbei die Frage, ob und wie die sieben Kernergebnisse der Tagung in das Handeln der Abgeordneten einfließen werden.

Eins ist sicher: In Zeiten des Rechtsrucks und der Spaltung sind die Tagung und der Bericht ein dringend notwendiges Plädoyer für eine Gesellschaft, die auf Werten wie Empathie und Solidarität beruht.

Bericht zur Tagung: Resilienz im Ernährungssystem stärken – Ernährungsgerechtigkeit sicherstellen

Kontakt:
Jan Dreier, FIAN Deutschland, Referent Recht auf Nahrung, j.dreier[at]fian.de, 0176 61937147

Renate Antonie Krause, nationale Armutskonferenz, wollweyb[at]yahoo.de

Bernd Schmitz, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, schmitz[at]abl-ev.de

Simone Ott, Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, sott[at]solidarische-landwirtschaft.org

Hintergrund:
Die Tagung „Resilienz im Ernährungssystem stärken – Ernährungsgerechtigkeit sicherstellen“ wurde von FIAN Deutschland initiiert und gemeinsam veranstaltet mit der Diakonie Deutschland, Brot für die Welt, der nationalen Armutskonferenz (nak), der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dem Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, Netzwerk der Ernährungsräte und unterstützt vom Deutschen Institut für Menschenrechte.