Was die Unterhändler im Trilog zur Gentechnik verhandelt haben, ist für mich als Bäuerin ein Skandal – ökonomisch, ökologisch und politisch. Es schadet Europa und dem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die EU. Es belastet Bäuerinnen und Bauern mit unlösbaren Koexistenz-Problemen, Unsicherheiten und Risiken. Es gefährdet unsere Märkte, die eine Gentechnikfreiheit fordern – und damit auch unsere Existenzen. Wir würden unsere Selbstbestimmtheit verlieren, wie wir wirtschaften wollen, denn Gentechnik würde uns aufgezwungen.
Viele Menschen glauben, das Thema neue Gentechnik sei kompliziert. Das ist ein Irrtum. Im Kern geht es bei der geplanten Abschaffung aller Gentechnik-Regeln um Profite für Gentechnik-Konzerne. Sie wollen endlich mit ihrem patentiertem Gentechniksaatgut auf den europäischen Markt. Für noch mehr Gewinne und Abhängigkeiten.
Unsere europäischen Standards und Gesetze stehen diesen Geschäften im Weg. Entsprechend massiv ist die Lobbyarbeit. Neue Gentechnik muss bisher nach europäischem Recht gekennzeichnet sein, damit die Menschen die Wahl haben. In Europa entscheiden sich die meisten Kunden gegen Gentechnik im Essen, und die meisten Bauern gegen den Anbau. Das aber schadet den Konzerngewinnen. Und dann die Zulassungsverfahren, bei denen in Europa die Risiken der Gentechnik geprüft werden, um vermeidbare Schäden für Menschen und Umwelt zu verhindern – das sogenannte Vorsorgeprinzip. Für die Agrarkonzerne bedeutet das unter Umständen, dass Risiken festgestellt werden und Europa den Anbau nicht zulässt. Auch das schadet dem Profit und soll deshalb weg.
Alles andere, was in diesem Zusammenhang diskutiert, verkompliziert, heilsversprochen und schöngeredet wird, ist Taktik und gut platzierte Nebelkerzen der Lobbyisten, um die Absicht der Industrie zu verschleiern.
Verbraucherschützer, unabhängige Wissenschaftsvereinigungen, Naturschützer und viele Bauernverbände raufen sich die Haare, über das was jetzt vom Verhandlungstisch kommt. Das nämlich beinhaltet nur Vorteile für die Konzerne. Politisch zugesprochenen Rechte von Bäuerinnen und Bauern, von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie der Umwelt und das Patentverbot sollen komplett über Bord geworfen werden. Jetzt braucht es uns, um Politikerinnen und Politiker zu informieren und aufzufordern, diesen Vorschlag im Sinne der europäischen Bürgerinnen und Bürger und des Vorsorgeprinzips abzulehnen.
Barbara Endraß, Bäuerin und AbL-Landesvorstand Baden-Württemberg
Zur Artikel: Vorsorge statt Konzerninteressen (Link)
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