Dass Patente für kleine und mittlere Pflanzenzüchter ein erhebliches Problem darstellen, hat vor Kurzem auch die EU-Kommission bestätigt. In einer Studie kommt sie zu dem Schluss, dass Patente abschreckende Wirkungen auf die Züchtenden haben. Es geht um hohe Kosten für Lizenzen und großen Aufwand zur Prüfung, ob Sorten von Patenten betroffen sein könnten. Die effektive Verfügbarkeit von konventionell gezüchtetem Material würde durch Patente verringert. Eine höhere Konzentration auf den Märkten könne zu einer geringeren Anzahl von Züchtern und weniger Saatgutvielfalt führen, wodurch der Wettbewerb eingeschränkt und die Saatgutpreise erhöht würden. Trotz dieser Analyse sieht die EU-Kommission keinen Handlungsbedarf.
Auch die jährlichen Berichte des Bündnisses „Kein Patent auf Saatgut!“ zur Patentsituation zeigen klar, dass Patente auch auf konventionelle Züchtungen und natürlich vorkommende Gensequenzen ein „gut dokumentiertes Problem“ sind, insbesondere für die kleinen und mittelständischen Züchtungsunternehmen. Schon eine einzige Lizenz (sie wird jeweils pro Eigenschaft erteilt!) für den Zugang zu den patentierten Ressourcen kann leicht Kosten von mehr als 100.000 € verursachen. Zudem erstrecken sich Patente oft auf mehrere Sorten, wie bspw. ein einzelnes Patent des Konzerns Syngenta / ChemChina, das sich auf 125 Maissorten auswirkt (EP2464213). Das macht das Ganze noch intransparenter. Hoch problematisch seien, so „Kein Patent auf Saatgut!“ auch „Patentdickichte“, also Patente auf wichtige Züchtungseigenschaften, die gleich von mehreren Unternehmen angemeldet werden. Dort sei eine Züchtung ohne Rechtsauseinandersetzungen kaum mehr möglich.
Rote Linie überschritten
Dass Europaparlaments hatte in seinem Votum zum NGT-Verordnungsvorschlag ein Verbot von Patenten auf NGT-Pflanzen und -Produkte sowie auf konventionell gezüchtete Pflanzen gefordert. Auch dies hat die Verhandlungsführerin des Europaparlaments Jessica Pollfjärd (EVP) während der Trilog-Verhandlungen fallen gelassen. Laut vorläufigem Trilog-Beschluss sollen nun lediglich Informationen dazu veröffentlicht werden, ob Patente auf die NGT-1-Pflanze angemeldet oder erteilt wurden. Eine Expertengruppe soll die Auswirkungen von Patenten untersuchen – obwohl diese längst gut dokumentiert und bekannt sind. Zudem soll in den nächsten dreieinhalb Jahren ein Verhaltenscodex erarbeitet werden, dessen Inhalt aber völlig vage gelassen ist. Diese Vorschläge sind wirkungslos, da Patente weiter erteilt und massive negative Auswirkungen auf die Züchtung und Landwirtschaft haben würden. Selbst der Deutsche Bauernverband (DBV) kritisierte deshalb den Trilog- Kompromiss. Mit der Einführung von Patenten sei eine klare rote Linie überschritten: „Wenn zentrale Pflanzeneigenschaften von einzelnen Unternehmen monopolisiert werden, verlieren unsere Landwirte und kleine und mittelständische Züchter den Zugang zu wichtigem genetischem Material.“ Die AbL und andere fordern die Implementierung rechtssicherer Patentverbote bevor weitere Entscheidungen getroffen werden. Sonst würde unser noch vielfältiger Saatgutmarkt in Deutschland und Europa sich massiven Konzentrationsprozessen ausgeliefert sein und Abhängigkeiten schaffen, vor denen selbst Bundeskanzler Merz warnt.
Autorin: Annemarie Volling, AbL Gentechnik-Referentin, Bauernstimme 1/2026
Zum aktuellen Recherche-Bericht von Keine Patente auf Saatgut! (Link)
Zur Artikel: Vorsorge statt Konzerninteressen (Link)
Zum Kommentar: Gentechnik-Kennzeichnung ist ein Problem für die Konzerngewinne (Link)



