Der Bundesverband der Deutschen Pflanzenzüchter (BDP) und dessen Inkassounternehmen Saatgut-Treuhandverwaltungs GmbH (STV) haben eine repräsentative Umfrage zum Einsatz von Erntegut-Bescheinigungen für die Nachbauerklärung vorgelegt und darauf bezugnehmend verkündet, dass sich die Erntegut-Bescheinigung (EBS) „praktisch etabliert“ habe und die Landwirtinnen und Landwirten mit der EBS „weitgehend klarkommen“. Die IG Nachbau widerspricht ausdrücklich dieser geäußerten Auffassung des BDP und der STV, wonach die Erntegut-Bescheinigung in der Praxis angekommen sei. Georg Janßen, Geschäftsführer der IG Nachbau, erklärt: "Die Umfrage-Ergebnisse von BDP und STV zur Erntegut-Bescheinigung sind nichts als Schönfärberei. Zur Ernte 2025 stand bei der IG Nachbau das Telefon nicht still und zahlreiche Rückmeldungen aus dem ganzen Bundesgebiet zeigen, dass die Berufskolleginnen und -kollegen wie auch der Agrarhandel scharfe Kritik am Vorgehen der STV äußern.“ Die eingeforderten Dokumente über An- und Nachbau von Ackerfrüchten dienen nach Auffassung der IG Nachbau der vollständigen Datenkontrolle und der Marktmacht über den lukrativen Saatgut-Markt. „Die von der STV abgefragten Daten übersteigen den rechtlichen Rahmen, der den Pflanzenzüchtern zur Wahrung ihrer Interessen vom Gesetz her zuerkannt wurde. So sammelt die STV u.a. Anbaudaten von Sorten ohne Sortenschutz und von Züchtern, die außerhalb der STV arbeiten. Wir rufen die Landwirte zur Ernte 2026 dazu auf, der STV nicht zu folgen und stattdessen die Lieferantenerklärung der IG Nachbau gegenüber dem Agrarhandel zu verwenden. Sowohl die Raiffeisengenossenschaften als auch der private Agrarhandel haben kein Interesse daran, zum verlängerten Arm der Saatgut-Treuhand zu werden und das ist gut so", so Janßen.
Die Umfrage wurde im März 2026 vom Marktforschungsunternehmen Kynetec telefonisch und online durchgeführt. Befragt wurden 610 Landwirtinnen und Landwirte, die Getreide, Leguminosen oder Kartoffeln anbauen. Die Stichprobe wurde nach Regionen und Betriebsgrößen quotiert, um eine hohe Repräsentativität der landwirtschaftlichen Strukturen in Deutschland sicherzustellen, wie der BDP mitteilt. Für insgesamt 70 Prozent der Befragten sei demnach die EBS der primäre Nachweis der rechtmäßigen Erzeugung des Ernteguts in der Vermarktung.
Nicht gänzlich beseitigt werden konnten Zweifel, ob es sich bei den von den Befragten genutzten Erntegut-Bescheinigungen um das von BDP und STV eingeführte System handelt, oder ob möglicherweise daran angelehnte, etwa vom Landhandel erstellte Bescheinigungen genutzt wurden, das teilt Agra Europe (AgE) mit. Laut dem Marktforschungsunternehmen Kynetec, das die Erhebung durchgeführt hat, wurde das „nicht näher definiert“, so AgE.



