„Sichern Sie Vorsorge, Schutz und Unabhängigkeit unserer Saatgut- und Lebensmittelerzeugung sowie unsere Wahlfreiheit - Sorgen Sie für grundlegende Verbesserungen des neuen Gentechnik-Gesetzes oder lehnen Sie es ab!“, dies fordern vier bäuerliche Verbände in einem offenen Brief von den Europaparlamentariern, die in Kürze über ein EU-Gesetz zur Regulierung bzw. Deregulierung Neuer Gentechnik (NGT)-Pflanzen entscheiden müssen. Aus bäuerlicher und Verbraucher-Sicht ist der aktuell vorliegende Gesetzesvorschlag inakzeptabel. Deshalb fordern sie die Politiker auf, den Gesetzestext grundlegend zu verbessern oder abzulehnen.
Bettina Locklair, Bundesgeschäftsführerin der KLB Deutschland sagt:
„Zentral für die Zukunft unserer Lebensgrundlagen ist auch die Frage der Patente. Der freie und ungehinderte Zugang zu Saatgut und genetischen Ressourcen ist die Grundlage zukünftiger Züchtungen und damit der Ernährungssicherung. Patente auf Pflanzen, die mit der geplanten Deregulierung automatisch verstärkt erteilt würden, verhindern dies. Die aktuellen Kompromissvorschläge im Gesetzestext sind Scheinlösungen. Stattdessen fordern wir, dass jetzt rechtswirksame Patentverbote umzusetzen sind. Nur mit einem Verbot der Patente können wir die Vielfalt von Saatgut, die Vielfalt züchtereischer Unternehmen und ein sicheres Ernährungssystem ohne globale Abhängigkeiten gewährleisten.“
Karsten Hansen, Vorstand im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) e.V. kommentiert:
„Käme der EU-Gesetzesvorschlag so durch, würden wertvolle gentechnikfreie Märkte und Wettbewerbsvorteile von uns europäischen Bäuerinnen und Bauern, der Züchtungsunternehmen und der Lebensmittelbranche zerstört. Mittlerweile werden über 80 Prozent der in Deutschland erfassten Milch ohne Gentechnik Futtermittel erzeugt. Fast genauso hohe Anteile der Eier und des Geflügelfleisches. Die konventionelle Pflanzenerzeugung ist zu 100 Prozent gentechnikfrei in Deutschland (und zu 99,9 Prozent in Europa). Die Abschaffung europäischer Sicherheits- und Schutzstandards würde die deutschen und europäischen Landwirte zu austauschbaren Rohstofflieferanten machen – und damit Märkte und Existenzen zerstören. Das müssen die Europaparlamentarier jetzt verhindern. Genauso muss die Kennzeichnungspflicht bis zum Endprodukt gesichert werden. 80 % der Bürger wollen eine Kennzeichnungspflicht und Sicherheitsprüfungen auch bei Neuen Gentechniken, das darf nicht ignoriert werden.“
Claudia Gerster, Bäuerin und Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. ergänzt:
„Für uns Bäuerinnen und Bauern ist klar: Die gentechnikfreie Züchtung und Lebensmittelerzeugung müssen gesichert bleiben. Wir brauchen verpflichtende und wirksame Schutz- und Koexistenzmaßnahmen, ohne dem wird es unweigerlich zu Verunreinigungen des Saatguts kommen, im Züchtungsprozess selbst und bei der Vermehrung. Auch auf dem Acker wird es schnell zu Einkreuzungen und Verunreinigungen kommen. Wer zahlt den Schaden? Dazu brauchen wir klare Haftungsregelungen nach dem Verursacherprinzip und verpflichtende Nachweisverfahren durch die Inverkehrbringer. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass dies möglich ist. Das Europaparlament hat es jetzt in der Hand. Wir fordern sie auf, den inakzeptablen Gesetzesentwurf abzulehnen und NGT-Pflanzen weiter nach bewährtem EU-Gentechnik-Gesetz zu regeln – im Sinne des Schutzes unserer Lebensgrundlagen auch für zukünftige Generationen.“
Weiterführende Informationen:
- Zum Bäuerlichen Appell an das Europaparlament zum geplanten EU-Gesetz für Neue Gentechnik-Pflanzen (Link).
- Europaweite Umfrage zu Patenten auf Saatgut. 80 Prozent sagen NEIN zu Patenten auf Saatgut (Link)
Kontakt:
Bettina Locklair
Bundesgeschäftsführerin der KLB Deutschland
Mobil: 0170/4636 898
E-Mail: bettina.locklair[at]klb-deutschland.de
Karsten Hansen
Vorstand im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) e.V.
Mobil: 0173/498 4778
E-Mail: k.hansen[at]bdm-verband.de
Claudia Gerster
Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V.
Mobil: 0177/511 9971
E-Mail: gerster[at]abl-ev.de



