Wald ist ein zentrales Rückgrat unserer Gesellschaft, wir brauchen ihn alle z:B. für Trinkwasser- und Sauerstoffproduktion, CO2-Speicherung, als Lärmschutz oder zur Erholung. Wald ist aber auch ein Standbein vieler bäuerlicher Betriebe: als Sparkasse, aus der Investitionen getätigt werden können, oder in schwierigen Zeiten zur Erhaltung der Liquidität. Doch mittlerweile geht es dem Wald schlecht, der Zustand ist furchteinflößend, eine "Sparkasse" ist er in weiten Teilen Deutschlands nicht mehr.
Klimakrise, Dürren, Borkenkäfer und Stürme lassen ihn kaum mehr erkennen. Für die kommenden Jahre gilt es, in Mischwälder zu investieren, auf Naturverjüngung zu setzen und insbesondere die Nutzung von Holz zu optimieren und die Jagd zu überdenken. Der Rohstoff wird knapp werden, der Krieg in der Ukraine verschlechtert die Lage auch in diesem Sektor zusätzlich. Als Gesellschaft müssen wir Holz einsparen - bei der Verbrennung, bei Verpackung und Papier - um die wichtige Verwertung im Bausektor zu gewährleisten. Ökologisches Bauen mit Holz ist im Trend, und das ist eine gute und wichtige Perspektive für einen wertschätzenden Umgang mit dieser natürlichen Ressource. Aus bäuerlicher Waldbesitzer-Perspektive ist es darüber hinaus dringend geboten, die Schalenwildbestände zu reduzieren, denn nur dann wird es gelingen naturnahe Mischwälder aufzubauen. Derzeit ist der Verbiss einfach zu hoch. Die Waldbesitzenden, die bäuerlichen Familien sind dabei zu unterstützen - durch konsequente Verbissgutachten, Schulungen und gegebenenfalls auch Vermarktungsoffensiven für Wildfleisch.
Auch eine internationale Perspektive auf den Wald ist nötig: insbesondere das Verschwinden des Amazonas-Regenwaldes muss uns zu denken geben. Die Forderung nach Entwaldungsfreien Lieferketten - und die Umsetzung dieser - ist zentral für die Einhaltung der globalen Nachhaltigkeitsziele. Das dies auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft in Deutschland haben wird, sprich mit einer Tierzahlreduktion oder einer veränderten Anbaustrategie einhergehen wird, wäre auch aus klimapolitischen Notwendigkeiten zu begrüßen.
Gregor Kaiser, Waldbauer und Mitglied im Vorstand des AbL-Landesverbands Nordrhein-Westfalen



