Der Schweinepreis ist auf 1,32 Euro/kg abgerutscht und dem stehen Produktionskosten von mehr als 2 Euro plus Mehrkosten für Qualitätserzeugung in Tierwohlstufen gegenüber. Die wertvolle Arbeit der Bäuerinnen und Bauern wird nicht bezahlt und sie stehen wirtschaftlich mit dem Rücken an der Wand. Es ist richtig und notwendig, dass in der Branche und Wertschöpfungskette Konzepte und Maßnahmen diskutiert werden. Aber sie müssen daran gemessen werden, ob sie die Stellung der Schweinehalter:innen wirksam in der Wertschöpfungskette verbessern, um stabile Preise durchzusetzen, die die zusehens steigenden Kosten decken und auch notwendige Investitionen in Tierwohl und Klimaschutz langfristig refinanzieren.
Martin Schulz, AbL-Bundesvorsitzender, sagt:
„Die Schweinehalter sind wirtschaftlich extrem heftig betroffen. Auf den Höfen herrscht schiere Verzweiflung. Die äußerst schwache Stellung der Erzeuger:innen führt immer wieder dazu, dass niedrige Preise und höhere Kosten in der Wertschöpfungskette bequem nach unten durchgedrückt werden. Die Verbraucherpreise steigen zwar, aber diese kommen nicht bei den Bäuerinnen und Bauern an. Jetzt die in Deutschland höheren Qualitäten und Standards zu kritisieren, ist nicht nachvollziehbar, denn die aktuelle Lücke zwischen den Auszahlungspreisen und den betrieblichen Produktionskosten ist um ein Vielfaches größer, als dass sie nur mit höheren Qualitätsstandards für Tierwohl begründet werden könnten. Es ist positiv, dass Bauernverbandsvertreter sich jetzt in Videos für höhere Preise aussprechen und Produktionskosten nennen. Jetzt kommt es auf die Taten an, die folgen müssen. Und diese Taten dürfen sich nicht darin erschöpfen, dass die Politik zinsvergünstigte Darlehen auf den Weg bringt.“
Schulz sagt weiter:
„Das staatliche Tierhaltungskennzeichnungsgesetz muss kommen, um Planungssicherheit für uns Bäuerinnen und Bauern zu gewährleisten. Nur damit können wir uns auch Qualitätsmärkte sichern. Für das vorzeitige Einstellen des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung braucht es einen Ersatz, damit in allen Bundesländern vor allem die laufenden Mehrkosten artgerechter Tierhaltungsverfahren einheitlich weiter gefördert werden und nicht schon nächstes Jahr ersatzlos auslaufen. Mindestens für die schweinehaltenden Betriebe in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind nach aktuellem Stand keine vergleichbaren Förderprogramm-Alternativen auf Länderebene vorhanden oder vorgesehen. Die von der EU-Kommission initiierte Vertragspflicht muss in Deutschland umgesetzt werden, damit ab Hof vor Lieferung Preise, Mengen, Qualitäten und Laufzeiten vereinbart und ausgehandelt werden. Verträge haben das Potential zu begrenzen, dass Schlachtkonzerne und Einzelhandel nicht mehr wie bisher Preisdruck und Kostensteigerung bis auf die Höfe durchreichen können.“



