Dürre setzt Höfe enorm unter Druck: Wirksamer Klimaschutz ist Schutz der Ernte

AbL zu den Folgen der extremen Dürre für die Landwirtschaft

Die anhaltende Trockenheit setzt landwirtschaftliche Betriebe in weiten Teilen Deutschlands massiv unter Druck. Besonders betroffen sind der Süden, insbesondere der Südwesten. Sommergetreide und Raps fallen im Mittel um 20 Prozent, vereinzelt sogar bis zu 40 Prozent schlechter aus. In manchen Regionen vertrocknet selbst bereits der Mais. Kartoffeln sind ohne Beregnung teils massiv betroffen. Auch für viehhaltende Betriebe wird die Lage kritisch: Weiden werden zur Steppe, Winterfutter wird bereits verfüttert und Raufutter muss teuer zugekauft werden. Gleichzeitig drücken zur Zeit niedrige Weltmarktpreise die Erlöse und gefährden die Existenz vieler Betriebe. Viele Betriebe haben kaum Rücklagen, um die Situation nachhaltig zu überstehen.

Bernd Schmitz, stellvertretender AbL-Bundesgeschäftsführer sowie Milchbauer aus Nordrhein-Westfalen:

„Der Sommer 2026 ist ein bitterer Vorgeschmack auf die Zukunft Deutschlands und ganz Europas. Wir Bäuerinnen und Bauern sind der Hitze ebenfalls jeden Tag vollumfänglich ausgesetzt, was unseren Arbeitsalltag erschwert. Wir brauchen deshalb endlich wirksamen Klimaschutz – mit verbindlichen Klimazielen nach Sektoren, einem konsequenten Ausstieg aus fossilen Energien und einem forcierten Ausbau der Erneuerbaren – statt Ausbau der Erdgasinfrastruktur. Und wir brauchen eine Agrarpolitik, die Betriebe unterstützt, resilienter zu werden: Die GAP-Mittel ab 2028 müssen vorrangig in qualifizierende Maßnahmen fließen, die Klimaresilienz und konkrete Leistungen der Höfe honorieren. Die pauschalen Flächenprämien werden uns nicht in eine Agrarstruktur der Zukunft führen, anders als der immer wieder DBV propagiert. Gleichzeitig brauchen wir Programme und Beratung für betriebliche Wasserresilienz und regionales Wassermanagement sowie faire Erzeugerpreise statt einer Landwirtschaft, die ihre gestiegenen Kosten über alle Branchen hinweg nicht weitergeben kann.“

Die Dürre zeigt: Landwirtschaft, die auch kommende Wetterextreme überstehen soll, braucht effektiven & ambitionierten Klimaschutz, die gezielte Nutzung der GAP-Gelder zum Aufbau betrieblicher Klimaresilienz und endlich Maßnahmen für faire Preise. Nur eine klimaangepasste Landwirtschaft, die sich wirtschaftlich rechnet, sichert auch in Zeiten des sich verschärfenden Klimawandels die Ernährungsgrundlage für unsere Bevölkerung.

Ottmar Ilchmann, agrarpolitischer Sprecher der AbL & Milchbauer aus Niedersachsen:

„Die Antwort von Bundeslandwirtschaftsminister Rainer ist nun primär, die Mittel für die Mehrgefahrenversicherung im Zweifelsfall aufzustocken - das ist völlig zynisch: keine Versicherung der Welt wird in Zukunft die massiven Folgen der Tatenlosigkeit der aktuellen Bundesregierung noch finanziell auffangen können. Hier würde wieder Bürokratie aufgebaut, während an anderer Stelle das Stichwort Bürokratieabbau zur Deregulierung von schützenden Standards genutzt wird. Wir brauchen eine Bundesregierung, die aus ihrem fossilen Traum wieder in der Realität aufwacht. Die Einberufung eines Hitze-Gipfels und die Verankerung der Gemeinschaftsaufgabe Klimaschutz- und anpassung im Grundgesetz, sowie die Zurücknahme der Kürzungen im Klima- und Transformationsfonds wären dazu ein notwendiger erster Schritt zur Lösung.“

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