Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist weiter gestiegen: EDEKA, REWE, die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) und ALDI (Nord und Süd) vereinten 2025 zusammen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze auf sich. Das teilt das Bundeskartellamt im Zusammenhang mit der Freigabe der Übernahme von 178 tegut-Lebensmittelmärkten sowie weiteren Unternehmensteilen durch die EDEKA mit. Die EDEKA hat sich verpflichtet, weitere 24 tegut-Standorte für einen Zeitraum von vier Jahren nicht zu erwerben. Damit werden die vom Bundeskartellamt nach intensiven Ermittlungen festgestellten wettbewerblichen Bedenken ausgeräumt bzw. auf ein fusionskontrollrechtlich hinzunehmendes Maß reduziert, so das Bundeskartellamt in seiner Mitteilung zur Freigabe und somit auch weiteren Konzentration im LEH. Anlässlich der Freigabe warnt die Monopolkommission vor der zunehmend hohen Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel.
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, erklärt dazu: „Wir haben die Übernahme sehr eingehend geprüft und insbesondere zu den betroffenen Märkten gründlich ermittelt. Die Ermittlungen haben ein aktuelles und übergreifendes Bild der Wettbewerbsverhältnisse im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ergeben, das den Hintergrund für unsere Entscheidung bildet. Ohne die Zusagen hätte der Zusammenschluss in 34 regionalen Märkten zu einer erheblichen Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen geführt. Die EDEKA verzichtet nun für vier Jahre auf die Übernahme von 24 tegut-Standorten. Damit verhindern wir, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher kommt. Zugleich kann der weit überwiegende Teil des Vorhabens freigegeben werden.“ Was nach den vier Jahren zur Vermeidung von Verschlechterungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher passiert, dazu äußert sich das Bundeskartellamt nicht.
Gegenstand des ursprünglich angemeldeten Vorhabens war der Erwerb von 202 tegut-Lebensmittelmärkten, 41 automatisierten teo-Standorten, der Herzberger Bäckerei sowie eines Logistikzentrums durch die EDEKA. Das Bundeskartellamt hatte das Vorhaben seit März 2026 laut eigenen Angaben umfassend untersucht und den Verfahrensbeteiligten Ende Juli einen Entwurf seiner wettbewerblichen Bewertung übermittelt.
Das Bundeskartellamt prüft nach eigenen Angaben Zusammenschlüsse im Lebensmitteleinzelhandel aus zwei Blickwinkeln: zum einen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den Wettbewerb um die Kundinnen und Kunden, zum anderen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Hersteller und Lieferanten.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher findet der Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel vor allem vor Ort statt. Deshalb werden die Absatzmärkte lokal abgegrenzt und die konkreten Auswahl- und Ausweichmöglichkeiten der Verbraucherinnen und Verbraucher in den jeweiligen Einzugsgebieten untersucht. Die umfassenden Ermittlungen haben laut Bundeskartellamt ergeben, dass der Zusammenschluss ohne die Zusagen in 34 regionalen Markträumen in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs erwarten ließe. In neun dieser Markträume wäre zugleich die Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung der EDEKA zu erwarten gewesen.
Die Ermittlungen haben darüber hinaus laut Bundeskartellamt ein aktuelles Bild der Wettbewerbsverhältnisse im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ergeben. Die Konzentration ist weiter gestiegen: EDEKA, REWE, die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) und ALDI (Nord und Süd) vereinten 2025 zusammen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze auf sich. EDEKA ist mit rund 30 Prozent größter Anbieter, gefolgt von der Schwarz-Gruppe mit rund 25 Prozent, REWE mit rund 22 Prozent und ALDI mit rund 15 Prozent. Gleichzeitig besteht zwischen den Lebensmittelhändlern laut Bundeskartellamt eine intensive Wettbewerberbeobachtung und – bei einem Teil des Sortiments – eine hohe Preisgleichheit. Preisänderungen seien bei diesen Produkten in der Vergangenheit häufig von ALDI ausgegangen; zuletzt seien vermehrt auch initiale Preisänderungen von Lidl beobachtet worden. Die Untersuchung der Margenentwicklung zeige zudem, dass die Margen nach einem deutlichen Anstieg während der Corona-Pandemie seit spätestens 2022 wieder zurückgehen. Bei den vier großen Handelsgruppen lägen sie im Durchschnitt allerdings weiterhin über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Die durchschnittlichen Margen (Deckungsbeitrag IV nach Kosten) liegen im Lebensmitteleinzelhandel nach den Ermittlungen des Bundeskartellamtes im niedrigen einstelligen Bereich.
Monopolkommission warnt
Die Monopolkommission warnt angesichts der bewilligten Übernahme der Tegut-Filialen durch Edeka vor der zunehmenden Konzentration im LEH. Nach den Feststellungen des Bundeskartellamts vereinen die vier großen Handelsketten schon heute mehr als 90 % der Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel auf sich. Ein zentraler Bereich der Versorgung in Deutschland ist damit in den Händen von nur vier Unternehmen, so die Monopolkommission.
Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, erklärt: „Das Amt stellt zudem fest, dass der Markt sehr transparent ist und bei einem Teil des Sortiments die Preise weitgehend gleich sind. Solche Bedingungen erleichtern es, dass sich die Unternehmen aufeinander einstellen. Mit neuen Markteintritten ist auch nicht zu rechnen. EDEKA, REWE, die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) und ALDI haben ihre Machtposition kontinuierlich ausgebaut. Die Monopolkommission hat in ihrem Sondergutachten „Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette“ gezeigt, dass die Konzentration in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen ist, nicht zuletzt durch Zusammenschlüsse. Die Übernahme der tegut-Filialen durch EDEKA setzt diese Entwicklung fort.“
Das Bundeskartellamt gehe auch davon aus, dass manche Lieferanten von den großen Handelsgruppen abhängig sind. „Diese Hersteller können nicht ohne Weiteres zu anderen Abnehmern wechseln und sind damit den Bedingungen der Händler ausgeliefert. Hier kann es zu Missbräuchen von Nachfragemacht kommen. Die Analysen der Monopolkommission zeigen aber, dass Lieferanten den Konflikt mit ihren mächtigen Abnehmern scheuen. Das macht es für Behörden wie das Bundeskartellamt schwierig, solche Missbräuche abzustellen“, so Duso.
Für den Wettbewerb ist es laut Dudo „schmerzlich, dass ein weiterer Händler vom Markt verschwindet. Die Behörden werden jetzt noch intensiver darauf achten müssen, dass die großen Vier die Preise nicht hochtreiben oder Innovationen verhindern.“



