Der Faire Handel in Deutschland wächst weiter: 2025 erreichte der Umsatz mit fair gehandelten Produkten einen neuen Höchstwert von 2,7 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Plus von 4,7 Prozent. Das teilt das Forum Fairer Handel (FFH) mit. Während die ökonomische Entwicklung seitens des FFH positiv gesehen wird, wird die „politische Bilanz“ kritischer beurteilt.
“Die Einhaltung von Menschenrechten, Klimaschutz und ökonomischer Erfolg stehen nicht im Widerspruch. Das zeigt der Faire Handel, der 2025 weiter gewachsen ist”, erklärte FFH-Geschäftsführer Matthias Fiedler, anlässlich der FFH-Jahrespressekonferenz. “Viele Verbraucher*innen entscheiden sich – etwa beim Einkauf von Kaffee oder Schokolade – bewusst für die faire Alternative.” Das belegen auch höhere Absätze bei vielen Produkten aus Fairem Handel. Besonders positiv entwickelten sich die Weltläden im zurückliegenden Jahr: Der anhaltenden Kaufzurückhaltung im stationären Einzelhandel zum Trotz konnnten sie ihre Umsätze um 10 Prozent steigern. ”Weltläden sind das Rückgrat des Fairen Handels", so Fiedler. “Sie verkaufen nicht nur faire Produkte, sondern machen globale Zusammenhänge sichtbar und halten das Engagement für globale Gerechtigkeit vor Ort lebendig.”
Europäischer Vergleich zeigt: Hier geht noch was!
“Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass Fairer Handel gesellschaftlich noch stärker verankert werden kann, wenn Politik, Handel und Zivilgesellschaft die richtigen Rahmenbedingungen schaffen”, sagte Matthias Fiedler. Während die Verbraucher*innen hierzulande 2025 durchschnittlich 33 Euro pro Kopf für faire Produkte ausgaben, waren es in der Schweiz rund 129 Euro allein für Fairtrade-gesiegelte Produkte. In Österreich lag der Wert bei 88 Euro, in Frankreich bei rund 47 Euro.
“Die wirtschaftliche Entwicklung des Fairen Handels stimmt uns optimistisch, doch unsere politische Bilanz fällt kritischer aus”, erklärt FFH-Vorstandsvorsitzende Andrea Fütterer, anlässlich der Jahrespressekonferenz. “Denn faire Handelsbeziehungen und der Schutz von Umwelt- und Menschenrechten geraten in Deutschland und der EU zunehmend unter Druck, während die Machtkonzentration in vielen Lieferketten auf Kosten der Produzierenden wächst.”
Fairer Kaffee: Stabile Nische in einem unfairen Markt
Zum Stichwort „Fairer Kaffee“ teilt das FFH mit: 2025 wurden 26.779 Tonnen Kaffee aus Fairem Handel in Deutschland abgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von 3 %. Der Absatz von Röstkaffee in Deutschland ist jedoch insgesamt um 1,5 % gesunken. Der Marktanteil von fairem Röstkaffee liegt weiterhin bei fast 6 %. Mehr als drei Viertel des fairen Kaffees in Deutschland sind auch biozertifiziert.
Durch die hohen Kaffeepreise der letzten Jahre hatten die Produzent*innen die Möglichkeit, in ihre Kaffeefarmen zu investieren. Die Prämien, die die Kooperativen im Fairen Handel erhalten, ermöglichen dringende Investitionen in die Infrastruktur. Doch insgesamt hat sich kaum etwas an den ungerechten strukturellen Rahmenbedingungen im Kaffeeanbau verändert. Das Coffee Barometer 2026 fasst die zentralen Herausforderungen treffend zusammen: volatile Preise, steigende Produktionskosten, Klimarisiken und eine begrenzte Verhandlungsmacht von Kleinbäuer*innen. Der größte Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung wird weiterhin nicht dort erzielt, wo der Kaffee angebaut wird.



