Landesweit und insbesondere in Paris kommt es auch in Frankreich zu Protesten gegen das Mercosur-Abkommen. Mit ihren Traktoren blockierten die Bauern unter anderem den Kreisverkehr am Arc de Triomphe, es soll zu 150 Kilometer langen Staus gekommen sein.
Verhindern konnte die Proteste weder ein Gespräch der Landwirtschaftsverbände mit dem Premierminister noch der von Frankreich kurz zuvor erfolgte Stopp des Imports von Agrarprodukten, die mit Pestiziden behandelt wurden, die in Europa verboten sind. Fünf Substanzen stehen aufgrund ihrer dokumentierten Risiken laut einer Mitteilung der beteiligten Ministerien, des Landwirtschaftsministeriums von Annie Genevard und des Ministeriums für kleine und mittlere Unternehmen, Handel, Handwerk, Tourismus von Serge Papin, im Fokus: ein Herbizid (Glufosinat) und vier Fungizide (Mancozeb, Thiophanatmethyl, Carbendazim und Benomyl). Zu den betroffenen Agrarprodukten gehören Obst, Gemüse, Getreide, Sojabohnen und Kartoffeln. Für die zwei Minister handelt es sich bei dem Stopp um einen Grundsatz der Kohärenz, Fairness und Gerechtigkeit, dessen Ziel es sei, die Ungleichbehandlung europäischer Erzeuger, die diese Stoffe nicht zur Behandlung ihrer Kulturen verwenden dürfen, zu verringern und den Schutz der öffentlichen Gesundheit zu stärken.
Landwirtschaftsministerin Annie Genevad erklärt dazu: „Produkte, die wir aufgrund der Stoffe, mit denen sie behandelt wurden, aus dem Verkehr ziehen, dürfen nicht durch die Hintertür wieder hereinkommen. Das ist ein Grundsatz des gesunden Menschenverstands, den wir seit mehreren Monaten gegenüber der Europäischen Kommission vertreten. Fairness und Gerechtigkeit für unsere Landwirte und Verbraucher können nicht warten. Dieser Erlass ermöglicht es daher, eine unverständliche Situation der „Doppelmoral“ zu beenden und die Regale zu sanieren. Wenn weitere Verordnungen erforderlich sind, werde ich sie erlassen, denn beim Schutz der Landwirtschaft mache ich keine Kompromisse.“
Die Maßnahme wird laut der Mitteilung der beiden Ministerien der EU-Kommission und den anderen Mitgliedstaaten auf der nächsten Sitzung des Ständigen Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel am 20. Januar vorgelegt. Anschließend sei es Aufgabe der Kommission, sie auf europäischer Ebene auszuweiten und die Höchstwerte für Rückstände gefährlicher Stoffe, deren Verwendung in der Europäischen Union verboten ist, zu senken, um die Einfuhr von mit diesen fünf Stoffen behandelten Lebensmitteln zu unterbinden. Im Ständigen Ausschuss wird sich dann auch Deutschland zur „Doppelmoral“ verhalten müssen.



